Projekt Nr. 20
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Der Zeichnungsgenerator – Gespräch: Diana Dietz / Hannes Kater
Teil 11
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Material:
- Ausstellungskonzept
- Rundgang durch die Ausstellung
- Die Räume von Hannes Kater
Gespräche zur Ausstellung:
Bjørn Melhus (2. Künstler)
Diana Dietz (Assistenz)
Silke Boerma (Kuratorin)
Armin Chozinski (Helfer)
Gabriele Mackert (Autorin)
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xxxxxxogik H: Ja, du meinst, da war noch irgendeine weiße Kiste für den Alarm und irgendwie sowas, meinst du das mit „Ensemble", oder was?
D: Nee, noch nicht mal.
H: Nur die Kiste für die Kärtchen...
D: Ja. Und daß das so unglücklich war und man das dann damit noch extra exponiert hätte auf so einem roten Hintergrund. Umgekehrt hat das die Wirkung der roten Wand auch wieder verändert, ich fand das immer ganz merkwürdig, teilweise sah man die Hand davor verstärkt, teilweise schluckte sie auch so die Hand... beides...
H: Und das ist old-school?
D: Angefangen damit, daß die Hand an sich schon old-school ist, ist das dann einfach noch mal in die Richtung weitergegangen! Also die Hand in ihrer Schwierigkeit regelrecht vorgeführt: bamm, zart wackelige Hand, knallrot und groß gerahmt, vielleicht sieht man sie dann, oder: verschluckt von diesem mächtigen Hintergrund, klar, war ja eh nicht so ernstgemeint! Also einerseits hattest du so wahnsinnige Bedenken, daß man sie nicht genug wahrnimmt mit ihrem vermeintlichen Aufforderungscharakter, andererseits wolltest du dort dieses Abschiedswinken vermeiden, wie du es am Ende der weißen Wand vielleicht befürchtet hast. Das Rad der Ambivalenz einfach weitergedreht, das ist old-school.
Und eigentlich sollte auf diese rote Wand doch eh gar nichts drauf. Die sollte doch, wenn ich das richtig verstanden habe, wie ein Sockel für eine Plastik sein, also schon „Hintergrund", aber für den gesamten Raum! Und so hätte man die ja fast allein für diese popelige Hand verbraten...
Was war da noch? Du hast, glaube ich, sogar befürchtet, die Leute sehen den Raum gar nicht, die gehen gleich wieder raus, geleitet von dieser winkenden Hand, wenn sie hinten an der weißen Wand hängt! Ich finde, deine Befürchtungen waren da immer etwas zu heftig und leicht überzogen.
H: Hm, also ich kann mich gar nicht mehr so genau erinnern... Als old-school könnte ich höchstens akzeptieren, daß diese Wand eben Hintergrund wird, weil die tendenzeill auch mal so angedacht war. Es war ja ursprünglich mal von der Abfolge so gedacht, daß das, was auf dem Hund stand, sozusagen vor dieser roten Wand steht. Wobei sich das, glaube ich, schon geändert hatte, bevor die Wand eigentlich rot wurde, aber die Ursprungsidee war, glaube ich, mal so. Also old-school wäre dann, daß man halt sagt: ich halte das nicht aus, daß diese Wand rot ist und Malerei ist, sondern die wird dann halt sozusagen rückgesetzt, rückgestuft als Hintergrund für was, also als Rahmung. Und die Wand ist halt nicht die Wand, in Rot, als Wand, und was sie halt ist in Farbe, sondern sie ist halt Rahmung für das Eigentliche. Und das wäre in Ansätzen old-school, weil das halt mit dieser Brechung spielt und sagt: okay, ich führe vor, ich weiß wie das geht mit dieser roten Wand, und es hat Wirkung, aber weil ich halt so clever und schlau bin, breche ich das jetzt noch mal und setze noch einen drauf, indem ich das jetzt halt nur noch als Rahmung benutze für irgendwas anderes. Das könnte man old-school nennen.
D: Genau.
H: Also old-school dann aber für mich, weil im klassischen Kunstbetrieb wäre das ja nicht old-school. Naja. Also eher doch sollte ich darauf vertrauen, daß die Wand schon wirkt, und das aushalten... ja, also so hatte ich das verstanden.
D: Jaja, denn so wäre es ja eben zweifach wieder ein unglücklicher Kompromiss. Beides wäre dann gebrochen gewesen, also der Hand hättest du allein nicht vertraut, und der Wand auch nicht.
Und was wirklich old-school ist, da waren sich Armin und ich besonders einig [lacht], daß du dann genau daraus auch wieder den lustigen Bruch, oder seht-her-ich-bin-tricky gemacht hättest.
H: Was?
D: Wie du das eben gerade formuliert hast: du weißt ja eigentlich darum und man könnte da noch eine gesteigerte Cleverness reinlegen.
H: [brummt] Ja, aber ich meine, ursprünglich war das ja so, daß das, was dann ja auf dem Hund zu stehen kam, vor diese rote Wand gedacht war, und die Hand und die Kärtchen waren ursprünglich gedacht für den Tresen, wo man die Eintrittskarten kauft! Und daß die Karten in den Raum reinrutschten, hatte irgendwie damit zu tun, daß eben halt dieser ursprüngliche Modellcharakter, oder Agitationscharakter, sehr zurückgenommen wurde. Und daß halt diese Verkaufssituation, also Tresen Kunstverein, Eintrittskarten, Kataloge und so, auch wieder als Kanal rückgeholt wurde in die eigentliche Ausstellung, und in „das ist Kunst". Und der Kanal dann halt auch wieder wechselte.
Da war ich natürlich auch am Hadern, irgendwie. So zum einen war mir halt klar, daß mir unwohl ist damit, daß diese Karten da am Tresen sind und daß ich das eigentlich scheiße finde, aber ich fand diesen Kanal – um noch mal diese Vokabel zu benutzen – anfangs eigentlich sympathischer und unproblematischer auch, so wie die Karten halt sind. Weil die ja auch mit was spielen...
Und dann kam halt, durch diese Heim-ins-Reich-Aktion, daß also diese Karten wieder in den eigentlichen Ausstellungsraum zurückgeführt worden sind...
D: Aber was doch jetzt auch wieder anklingt, ist doch, daß du manchmal dieses Spielen zu sehr strapazierst. Wenn irgendwas mit etwas spielt, dann muß es aber auch einen Rahmen geben, wo dann so eine Ernsthaftigkeit verankert ist, damit dieses Spiel auch sichtbar ist. Wenn du den dann auch noch „verspielst"...
H: [scheinbar einsichtig] Ja. Ja.
Ich meine, ich bin ja jemand, der Scherze mag, wo man selber, wenn man sie vorträgt, nicht lacht und halt gar nicht deutlich macht, daß es ein Scherz ist, sozusagen den Scherz tarnen.
D: Ja, dein Spiel mit der Ernsthaftigkeit ist doch am deutlichsten bei den Karten mit diesem: gib alles und glaub an Kunst, wenn die z.B. so präsentiert werden, wie es der Fall war.
H: Jaja, klar, das liegt aber daran, daß sozusagen sie sich deutlich abheben vom Umfeld. Während an der Kasse würden sie sich nicht so deutlich vom Umfeld abheben.
D: Also an der Kasse wären sie wiederum ernsthafter verankert, weil es da auch eher üblich ist, dort sowas ausliegen zu haben.
H: [ringt] Nee, nicht verankert, ich finde es besser getarnt! Also Tarnung ein bißchen im Sinne von Mimikry. Also ein Anführungszeichen und nicht wirklich ernstzunehmen, es ist tendenziell subversiver, subkutaner, oder wie man es auch immer nennen mag. Halt dieses Reinschleichende... funktioniert natürlich nicht, aber so als generelles Bild. Während im Galerieraum, white cube oder so, ist es natürlich kein bißchen subversiv. Das ist es einfach, ich komme im Kunstkontext daher und sage: glaube an Kunst! Das ist auch okay, ich meine, es ist richtig.
D: Ach so meinst du das jetzt... aber das nimmt sich ja nichts, dann ist das zwar wieder weniger subversiv, daß da steht: glaub an Kunst, aber die Form, oder dieses Zitat, oder der Verweis auf die Werbung und solche Sammelkärtchen, das ist im Ausstellungsraum wieder subversiver als an der Kasse! Das dreht sich nur um.
H: Ja, das dreht sich dann um, ja. Genau. [Lachen]
Du hast nur gerade so eine eigentümliche Art zu nicken, so großäugig, etwas müde...
D: Weil ich das erst jetzt richtig verstanden habe.

[Lachen und H kuckt zweifelnd, ob das Gerät noch aufzeichnet]

xxxxe-Hand Als dem so ist, schlägt D vor, noch ein Liedchen zu singen, saisonbedingt ein weihnachtliches, und summt den Anfang von „Stille Nacht". Sie berichtet, daß die Glocken einer Kirche in der Großen Freiheit "Es ist ein Ros' entsprungen" gespielt hätten und sie das zu gerne per Cell Phone in die Welt gebracht hätte. Daraufhin muß sie sich als Handy-Nudel bezeichnen lassen, wenn nicht gar Junkie, und daß sie das sehr gut zu verheimlichen wüßte, vor sich und den anderen.)

D: [himmelwärts] Hannees, das ist schon vorbei. Komm, dieses Handy hat mich Jahre meines Lebens gekostet, also die Integration dieses neuen Mediums. Mein sms-Projekt – das habe ich dir übrigens nie mitgeteilt, weil ich gedacht habe: nein, sicher ist sicher, ich teile es dir lieber nicht mit, solange es nicht zu Ende ist – also, das ist abgeschlossen.
H: Das ist erloschen?
D: [sehr nachdrücklich] Abgeschlossen!
H: [lacht] Ja, kuck mal, wenn ich dich schon nicht verstehe, wie soll das Ding [Aufnahmegerät] dich denn dann verstehen?
D: [unwillig] Es ist so laut jetzt hier...
H: Ja, irgendwie ist es gerade sehr laut, als hätten sie die Musik noch lauter gedreht.
D: [verweist auf Tumult am Nebentisch] Nee, die da.
H: Oder da diese Typen sind irgendwie so laut, die haben so blöde Organe [lautes Telefonklingeln] Sag" mal was! [überprüft die Aufnahmequalität per Kopfhörer]
D: [leise] Hallo.
H: Ich höre nichts.
D: [lacht] Björn nichts?
H: Björn nichts?
D: Du hast gerade gesagt: Björn nichts.
[Immer noch Telefonklingeln, Lärm am Nachbartisch schwillt an]
H: Ich höre nichts... Oh Mann ey, die sind echt...
D: [greift den Kopfhörer] Zeig mal. Sag mal was.
H: [lautes Händeklatschen, dann ins Mikro] Frau Dietz hat den Kopfhörer aufgesetzt...
D: Das ist aber sehr laut.
H: ... und guckt...
D: Viel lauter als meine Stimme!
H: ... erstaunt.
D: Das ist gemein, Männerstimmen sind ja immer...
H: Das stimmt übrigens nicht, denk nur an die M. Von wegen laut oder nicht laut, oder durchdringend oder nicht durchdringend.
D: Nein, aber weil die so eine tiefere Frequenz haben, wirkt das ganz anders.
H: Ach so, ja?
D: Ja. Du hast ja keine größere Lautstärke als ich, aber du hast halt eine andere Frequenz.
H: Ach?
D: Außerdem hast du dich eben vorgebeugt, [senkt Stimme] und hast direkt reingesprochen.
H: Na, dann beug dich auch noch mal vor und sprich da mal direkt rein.
D: [beugt sich, spricht direkt] Du hast direkt reingesprochen. [bleibt bei tiefer Stimmlage] Ist das ein Unterschied, ob ich so rede? Oder so? [normale Stimmlage, weiter weg]
H: [betont tief] Das ist ein Unterschied, ja.
D: [leicht vorgebeugt] So klingt es, glaube ich, als wenn man direkt in ein Mikro sprechen würde.
H: Wie bitte?
D: Wenn man sich so vorbeugt, klingt es so, als wenn man direkt in das Mikrofon, wenn man z.B. einen Vortrag hält,... s p r i c h t.
H: [beugt sich so vor und brummt] Also ich halte jetzt einen Vortrag.
D: [lahmes Lachen] Das könnte anstrengend werden, wenn ich jetzt versuche, so eine tiefere Frequenz zu halten, [tief wie geht] Was ich ja schon immer zu der Hand sagen wollte... Ich finde, so eine kleine Kamera müßte außerdem noch mit dabei sein, für wichtige Dokumentationen, das wäre noch chic.
H: [schläfrig] Ja?
D: [gähnt] Kann das sein?
H: Hmm?
D: [neu belustigt] Das macht die Musik, ich hab's jetzt! Die ist echt der Hammer. Und vor allem bin ich verwundert über das Schwulenaufgebot heute – und daß ich nie erfassen kann, nach welchen Kriterien die hier mal mehr, mal weniger vertreten sind.
H: [etwas wacher] Ich habe das jetzt überhaupt nicht verstanden gerade.
D: [konspirativ] Ich bin schon wieder etwas irritiert durch dieses Schwulenaufgebot hier, im Vergleich zu den Lesben, aber das ist ja wieder klar.
H: Du bist irritiert über das Schwulenaufgebot? Und wieso irritiert dich das?
D: Weil ich natürlich wieder nach dem Ausgleich suche, wo sind die Frauen.
H: [gähnt laut]
D: Beim letzten Mal war es wohltuend im Gleichgewicht.
H: [schlapp und dirty] Ja, aber wozu? [unfreiwilliges Lachen]
D: Wozu?
H: Jetzt mal ernsthaft: weshalb sollten Lesben und Schwule dasselbe Lokal besuchen? Also zu welchem Behufe?
D: [ruft] Hufe?
H: B-Hufe.
D: Ach so, naja... einfach so, weil sie sich, zwangsläufig, zusammenrotten. Eine ganz unglückliche Konstellation.
H: [kämpft]
D: [zum Nebentisch] Die sind ja echt grauenhaft.
H: Ja. Ich glaube, die geben mir auch gerade den Rest. Und diese Musik! Mit diesen Stimmen...
D: So fränkische oder sonstige Männerstimmen mit so einer Resonanz, das kann ich ja gar nicht ab. Schnauze!
H: Ich verstehe dich einfach auch nicht mehr.
D: [träge verlacht] Das ist auch gut so.
H: Frauennamen sprechen sich anders aus?
D: Nee.
H: Was hast du gesagt?
D: Es ist nicht so wichtig, Hannes, das muß ich jetzt gar nicht wiederholen.
H: [ertaubt] Was hast du gesagt, jetzt? „Mh, mh, nnh..., Hannes", hast du gesagt.
D: Daß ich das nicht wiederholen möchte, meine Ohren gehen inzwischen auch immer mehr zu. Es wir jetzt alles hier akustisch unmöglich.
H: Wir machen jetzt einfach Schluß.

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