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Kunstpädagogik | H: Jaja, aber die Frage ist, ob das „ganzheitlich" überhaupt möglich ist, eine geistige Phantasie zu entwickeln, ohne das konkret oder ansatzweise mal erfahren zu haben. Und da bin ich sehr skeptisch, weil man das auch wieder im Kunstunterricht merkt. Also es gibt ja viele Leute, die Kunst unterrichten, die nie selber Kunst gemacht haben. Und man merkt, es gibt schlechterdings keine gute Theorie über Kunstmachen und Kunstlehren, ohne selber Kunst gemacht zu haben. Also ein geistiges Durchdringen hat tendenziell auch immer... D: Ich dachte, wenn du Kunstpädagogik machst, muss du doch da irgendwie... H: Auf der Grundschule doch nicht! Auf der Grundschule kannst du doch sämtliche Fächer unterrichten. Du lernst zwei oder drei Fächer und unterrichtest nachher alles. Also alles, was an der Grundschule an Kunstunterricht läuft, ist in der Regel von Leuten, die keinen blassen Schimmer haben von Kunst. Die klassische Schulbildung ist irgendwie, frühestens in der fünften, meistens erst in der siebten Klasse hast du einen ausgebildeten Kunstlehrer, in der Regel, es gibt Ausnahmen. D: Ja, genau verkehrt herum. H: Ja, genau. Genau die Idioten, die keine Ahnung haben, die dann diese Schemata auch beibringen, weil sie selber keine Ahnung haben, und die auch nie über Sehen und Erwerb von solchen Formen nachgedacht haben, die reiten die ganze Kacke ja. Aber man kann dann halt wirklich diskutieren, ist M. hochmütig, indem sie halt verlangt um in diesem Tanzbeispiel zu bleiben dass jemand a) Fred Astaire denken kann, obwohl er noch nie wirklich getanzt hat, und b) dann auch noch nicht so geschämig ist, dass er das dann wirklich noch probiert, sozusagen vor der Klasse vortanzen wie er sich das vorstellt. D: Jaja, ist sie bestimmt nicht (hochmütig), weil das ist ja auch wieder ihre persönliche Realität, zumal das auch nicht ein erster Blick ist, sondern, wie sie ja gesagt hat, wenn das zwei Jahre nicht läuft und sie sich da abstrampelt und dann diese Wertung kommt, oder diese Frustration, das ist ja legitim. Also da steht ja eine Realität gegen die andere. H: Ja, aber die kommen da gar nicht mehr raus! Ich meine, diese Frustration und diese Haltung führt nicht dazu, dass diese Jugendlichen noch mal was lernen. D: Nein, aber da sind einfach die Grenzen ihrer Möglichkeiten, das ist so. H: Ja, also ich hätte da, glaube ich, auch keine Lust. Man kann das ein Mal machen, dass man sagt, okay... D: Das geht gar nicht, und der Rahmen ist ja leider nicht gegeben. Ich finde, das würde ja wirklich schon eher ins Therapeutische gehen, mit viel Zuwendung, viel Zeit... H: Ja, aber das ist genau das, was in der Kunsttherapie stattfindet. D: Ja, klar, eben deshalb spreche ich ja davon. Und ich erlebe es ja selbst immer wieder, selbst wenn das auch nur ein ganz mini Tropfen auf den heißen Stein ist, wie bahnbrechend das sein kann! Oder z.B. für eine Hausfrau, die wirklich so fernab, auch als Kind schon, war... H: Ja, aber ich meine, dann kann man aber zynischerweise dann auch fast sagen, dass es Sinn macht, dass die Leute da nichts lernen, weil dann ist es ein Kanal, den man später noch mal aufmachen kann. Wenn der Kanal auch schon von vornerein offen ist, und auch versaut wird, dann gibt es nämlich gar keinen mehr. Hier, ich! (Lachen) Ich sollte, glaube ich, Tänzer werden. Ich glaube, da ist ein Kanal, der noch offen ist. D: [lacht] Das kann sein, ja. H: Ich meine, das ist ganz klar, das sage ich ja auch, ich würde auf jeden Fall in eine Körpertherapie gehen, also das wäre mein Kanal, wo noch am meisten zu holen wäre, bzw. würde es keinerlei Sinn machen, Kunsttherapie mit mir zu machen, kompletter Schwachsinn! Also nicht komplett, aber... von dieser Kanaltheorie, dieses einen Kanal entdecken und da eben das Authentische noch mal zu finden. D: Ja, deshalb ist für mich auch immer so ein Rahmen so wichtig gewesen, gerade innerhalb einer Gruppe, weil ich es da bereits als tröstend erlebt habe, dass bei Leuten, wo dieser Kanal so gar nicht angetastet war, wie das funktionieren kann. Und davon habe ich profitiert. Weil ich ja auch so ein bißchen zwischen allen Stühlen sitze, es ist noch nicht mal klar, ob mein Kanal schon jemals angezapft, aufgemacht wurde, oder nicht. Also das ist alles noch nicht so raus. H: [feixt] Das ist nicht klar? D: Nicht so wirklich, nee. H: [cleverlacht] Entweder du bist bescheiden, oder größenwahnsinnig. Höchstwahrscheinlich beides. D: Na, und ich habe mich da ein bißchen mit durch diese Tür, zusammen mit denen... H: ... sozusagen mitgehuscht. D: Das ist ja egal, alles, was hilft, das merkt man ja einfach. Wenn es nicht funktionieren würde, dann... H: Wie geht mein Lieblingslied von John Lennon? Ich vergesse das leider immer. Mist... Also auf Deutsch übersetzt: alles, was dir durch die Nacht hilft, ist in Ordnung. Everything that helps you trough the night ist allright, is allright... Alles, was dir durch diese kleine Tür durchhilft, ist in Ordnung. D: Mhm. Das glaube ich. H: [zitiert] „Mhm". […] In Kürze [Zusammenfassung der Assistentin]: H glaubt in diesem Zusammenhang weder an eine rein pädagogische, noch eine therapeutische Lösung. Schule sei nun mal als Bewertungssystem ein Ort, an dem auch das Therapeutische als Schwäche angesehen und somit negativ besetzt sei. Ein dritter Weg sei ihm persönlich näher: man müsse als Person mit einer gewissen Begeisterung einstehen oder einem Glauben vorführen, das Machbare zeigen, sich selbst transparent machen als jemand, der sich für bildende Kunst interessiert, auch als Praktiker. Dazu berichtet er von einem Schlüsselerlebnis während seines Schulpraktikums: er gab eine Live-Malvorstellung, in der er den richtigen Umgang mit Pinsel und Farbe (mit trockenem Pinsel kratzen, Lasuren richtig einsetzen, etc.) demonstrierte und ernte damit große Dankbarkeit. [...] H: Ja... Das war jetzt ein weiter, großer Exkurs. Wie hat das angefangen? Mit M. und der Frage nach dem „authentischen" Handeln, bzw. Unterrichten? […] [D verschwindet aufs Klo und widmet sich danach erst mal der Essenswahl] [Während des Essens dann:] H: Ich habe neulich second-hand ein Lustiges Taschenbuch gekauft. Und da war eine Geschichte drin, wie Goofy und Micky sich per Zeitmaschine in die Frührenaissance versetzen lassen, um für einen Professor Doktor Sowieso einige Fragen vor Ort zu klären. Und die sind natürlich angewiesen, da ganz vorsichtig zu sein und nichts zu tun, was den Lauf der Geschichte verändert... und sie haben vor Antritt der Zeitreise einen Treffpunkt vereinbart, wo und wann sie wieder abgeholt, also von der Zeitmaschine eingesammelt, werden kommen aber zu früh zu diesem Treffpunkt. Und müssen irgendwie noch einige Stunden rumkriegen... und um sich die Zeit sich zu vertreiben, beschließen sie, etwas essen zu gehen... in Florenz. Und betreten ein Lokal und werden da sofort von zwei jungen Köchen umsprungen und ganz toll bedient, die sich ständig per Vornamen anreden: Leonardo und Sandro. Und bekommen dann etwas aufgetischt, was auf den Tellern so ein bißchen aussieht wie Nouvelle Cousine, halt ganz untypisch für Frührenaissance, weil da denkt man ja, dass das anders ausgesehen haben muss: viel auf dem Teller... und das Viele nicht top arrangiert. Und sobald sie anfangen zu essen, kommen die beiden Jungs angesprungen und beschweren sich, dass sie das sie ihre Teller in der falschen Reihenfolge leeressen, weil dann würde nämlich die richtige Abfolge gestört und die Arrangements auf den Tellern zerstört... Und Micky und Goofy schmeckt es sowieso nicht gut... und sie sind ein inzwischen etwas entnervt, und bekommen dann auch noch mit, dass dieses Lokal sonst keine Gäste hat! Und die Köche sind halt hochgradig frustriert, dass keiner ihre Kreationen recht zu würdigen weiß. Goofy will helfen und verrät den so ehrgeizigen Köchen das Rezept einer Suppe, was er von seiner Oma kennt und die beiden Köche sind erst sehr skeptisch und kochen dann doch diese Suppe nach und finden sie dann sehr lecker... ebenso wie Micky und Goofy, die sich gesättigt verabschieden und zurück in die Gegenwart reisen. Da erzählen sie dann stolz von diesem Erlebnis... aber dann stellt sich heraus, dass die beiden Köche zwei ganz bekannte Künstler waren, also zukünftige Künstler hätten sein können: Leonardo da Vinci und Sandro Botticelli! Und dadurch, dass Micky und Goofy dieses Suppenrezept da gelassen haben, werden die doch noch erfolgreiche Gastronomen, denn die Suppe verkauft sich wie Sau und die fangen halt nicht an mit ihrer Kunst, weil sie so glückliche und erfolgreiche Köche sind! Und so müssen Micky und Goofy wieder zurück in die Vergangenheit und versuchen dann erst, denen das Kochen zu verleiden, und das klappt dann aber nicht. Also versuchen sie, heimlich die Suppe zu versalzen aber das geht auch schief. Und dann beschließen sie, die beiden verhinderten Künstler auf andere Sachen neugierig zu machen, sie vom Kochen abzulenken. Micky meint dann also, komm, ich male euch jetzt mal ein Ladenschild für euer Lokal und macht das absichtsvoll so schlecht, dass Botticelli irgendwann ankommt und meint: das mach ich besser! Und dann ganz fasziniert malt und meint: hm, das ist doch noch besser als Kochen, das Malen. Und Goofy klettert auf irgendeinen Kronleuchter und stürzt damit ab und meint dann: hm, man musste doch irgendwie fliegen können... aber das geht wohl nicht! Und Leonardo dann: na klar geht das. Moment, ich entwerfe mal eben eine Maschine dafür! Und so können Micky und Goofy wieder zurück in die Zukunft. (H freut sich) Supersüß, oder? D: Das ist ja echt süß, die Kombination von da Vinci und Suppe... H: Jetzt reicht meine Bildung natürlich nicht hin, um zu wissen, ob die wirklich mal gekocht haben. D: Das ist kaum anzunehmen. H: Aber ich finde die Verbindung dann auch wieder klasse. [mampf, knurpsch, LTB-inspiriert] Und was für ein Bildungsbürgerwissen da auch mit drinsteckt. Da werden so kleine Kinder schon irgendwie darauf gestoßen, dass Kochen und Kunst machen sehr viel miteinander zu tun hat. In Frankfurt gibt es ja eine Professur für Kochen, an der Kunsthochschule. D: [mit vollem Mund] Öcht? [geleert] Echt? Ist das auch ein extra Studiengang an der Kunsthochschule? H: Nein, das kannst du da zusätzlich belegen im Rahmen deines Kunststudiums. Nach dem Motto: wer gut kochen kann, kann auch gut malen. [Im folgenden beansprucht eine Art Gemüseapfel die ganze analytische Aufmerksamkeit, dann die Zwiebelschärfe...] H: Und im selben Lustigen Taschenbuch war eine Zeichnung drin, wie Micky durch Entenhausen läuft und im Vordergrund ist ein verzweifelter Bürger Entenhausens, weil er in einen vollen Altglas-Container noch Flaschen stopfen will. Und der Armin [Chodzinski] hat ja mal eine Phase gehabt, wo er sich so sehr mit Altglas-Containern beschäftigt hat, und da habe ich ihm das mitgebracht. Und ich habe daraus gelernt, dass ich auf keinen Fall Micky Maus unterschätzen darf. Und das Alles für nur eine Mark, supergünstig! D: Obwohl ja Micky als Figur grauenhaft ist. (Charakterlich) H: Stimmt. |
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| Irgendwie könntest du aber ein bißchen mehr über deine Assistenz erzählen, finde ich. D: Noch mehr? H: Mhhm. D: Da musst du mir noch mal einen kleinen Anstoß geben, in welche Richtung. Ich kann ja da in alle Himmelsrichtungen was sagen. H: Wir können auch über den Katalog... D: Ja, was jetzt! […] [Gerät war wohl ausgefallen] |
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| Winke-Hand | H: Okay, dann geht das jetzt mit der Winke-Hand noch mal los, weil das, was wir über die Hand besprochen haben, wurde nicht aufgezeichnet. |
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Also; dieser Moment, der mich ja doch beeindruckt und irritiert hat, dass eben meine Probleme, die Hand wegzulassen, darauf zurückgeführt worden sind, dass ich meine Arbeit irgendwie immer konterkarieren, bzw. sabotieren, oder abschwächen will / muss... Für mich gibt es grundsätzlich zwei Tendenzen, die es zu untersuchen lohnt: 1. Man kann immer zu viel machen und 2. Ich gebe zu, dass ich bei einer größeren Arbeit, also einer eher komplexeren Situation, die dann in einem Raum entsteht, ich immer auch erwäge, gegen bestimmte, mir auffallende Aspekte, zu arbeiten. Es sozusagen nicht auszuhallen, eine zu eindeutige, und damit unterkomplexe, Aussage zu machen. Ein Unteraspekt zu Punkt 2 ist, dass das Ergebnis nicht zu sehr nach Kunst aussehen soll. D: Ob man das jetzt konterkarieren nennen muss, weiss ich jetzt nicht so genau aber dass ich das nicht so formulieren würde, das wäre mir zu stark... H: So bist du aber aufgetreten, so habe ich dich wahrgenommen! D: Ja, ich bin da erst mal mit eingefallen, das gebe ich ja gerne zu, aber auch sehr pragmatisch motiviert. Als wir gerade die ersten Gehversuche mit der Hand gemacht haben, die zu positionieren, war das ja zunächst von dir eine ganz klare Sache: du hast die mitgebracht und gesagt, du möchtest mit der Hand jetzt mal rumprobieren. Und da ja inzwischen auch so viel Anderes in dem Raum gar nicht mehr war [lacht]... da waren ja in der Entwicklung schon einige Sachen weggefallen... war das eben doch noch mal was Konkretes, womit man sich jetzt auseinandersetzen konnte. Und dann kam Armin dazu, da war jetzt noch ein dritter Blick da... [... hier fehlt wieder etwas in der Aufzeichnung.] D: Für mich sind die Flasher nicht so klar aus dem Werbebereich, ich assoziiere zuerst so einen Verkaufssituation, eine Präsentation von Produkten in einem Geschäft, damit, ziemlich konventionell und nicht ironisch. H: Nun: die Hand war ja ursprünglich von mir auch nicht... ich meine, okay, sie hat einen ironischen Touch, aber ernsthaft war sie ja schon einmal im Einsatz. Und zwar hatte die mal während des Rundgang in der Cafeteria in der HBK (Kunsthochschule Braunschweig) platziert, da stand sie neben der Kasse und hat so gewunken. Und die Leute, die da bezahlten, konnten eine Karte nehmen. Allerdings hat keiner eine genommen [Bubenlachen]... Das hat nicht funktioniert, entweder weil sich keiner getraut, oder keiner lange genug hingekuckt, hat. Es war halt nicht klar, worum es geht, das war irgendwie nicht ganz sauber gelöst. Aber das war schon ganz ernsthaft gemeint: Hallo hier! Ich versuche mich zu behaupten in so einer Umgebung, in der sonst Zigaretten, Kaugummi oder Kaffee verkauft wird. D: Aber das funktioniert so deshalb schon nicht, weil... H: Ja, und dann wird es halt nur noch Zitat. |
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| D: ... es vermutlich ja ein veraltetes, kein aktuelles, kein zeitgenössisches Werbemittel ist, sondern aussieht wie aus den 50er Jahren, was Nostalgisches, oder wie aus der DDR... das kommt ja noch erschwerend dazu. H: Die Hand? Ich weiß nicht, ich glaube, die Hand habe ich vor 3 Jahren einem Kioskbetreiber abgeschwatzt, bei dem ich die entdeckt hatte. Das war ein aktuelles Werbemittel... Die warb für für „Players" Zigaretten, glaube ich, diese lindgrüne Packung. „Players special" oder so... D: Auf jeden Fall wirkt die Hand weit älter, also da ist einiges unklar. H: Ja, das war wohl als Werbung schon nostalgisch, so pseudo-nostalgisch, aber es ist tiefgezogenes Plastik, wo per Siebdruck was draufgedruckt ist. Früher hätte man das von Hand anmalen müssen, also es ist neu. Es spielt halt mit einer gewissen Nostalgie. D: Ja, das zum einen, und dann noch dieses Labile mit diesem Winken... Also: kein Wunder will da niemand hinpacken, weil dann stürzt die Hand gleich von ihrer Achse da, oder wird gestoppt... also ganz schwierig! Und dann noch, wie [Stephan] Berg [Leiter des Kunstvereins Hannover] auch meinte, und das war auch für mich das stärkste Argument: als derart kleines, kleinteiliges und filigranes Ready-Made war es innerhalb dieses Raumes doch zu sehr exponiert und fiel raus, dass es nicht funktionierte. H: Jaja, nein, es funktionierte nicht wirklich. Und ich meine, die Lösung zum Schluss war ja auch gut. D: Aber es war ja doch für dich der schwierigste Punkt. Jenseits dessen, ob die Hand jetzt wirklich als Teil noch funktioniert, ging es ja für dich erst mal grundsätzlich darum, nehme ich überhaupt noch etwas dazu, was doch noch so was Spielerisches, was Tänzelndes hat, so ein Augenzwinkern, einfach nicht nur dieses ganz Ernsthafte und Vordergründige: hier sind die Karten, nehmt eine mit, basta! Ich glaube, da hast du schon am meisten gerungen. H: Ja. D: Und herangetastet haben wir uns alle drei, mit Armin zusammen, so: gut, wenn er das da an der Wand haben will, dann gucken wir jetzt mal. Da gab es dann die erste Erkenntnis, dass diese spielerische Absicht an der roten Wand noch mal besonders heftig wurde, während es auf der weißen schon mal mehr darum ging, dass die Kärtchen einfach genommen werden. Und dann die Frage, ob denn die Hand wirklich nur dieses Zeichen sein kann, dass das auch ja nicht übersehen wird. Und deshalb fand ich das so klasse, dass [Stephan] Berg das ganze Thema noch mal grundsätzlich auf den Tisch gebracht hat, weil wir ja eigentlich so ein bißchen durch die Hintertür dich davon weg holen wollten. Und die Hand nur noch als Ausrufezeichen befragt haben und ob man die Karten nicht mehr bemerkt, wenn diese Hand wegfallen sollte. Ich denke, sie nur unter diesem Aspekt an der weißen Wand angebracht zu haben, ja, wäre wahrscheinlich fast am unglücklichsten gewesen. Da wäre es vielleicht wirklich noch besser gewesen, sie an der roten Wand zu zeigen. H: Ja, aber an der roten Wand wurde halt deutlich, dass es falsch ist. D: Jaja, aber das wäre dann auch eindeutiger gewesen. H: Ja. An der weißen Wand war sie halt einfach nicht mehr so störend... [H gesteht einen ganz schlimmen Müdigkeitsflash, den er auf seinen Alkoholkonsum am Vorabend zurückführt: Trinkgenuss = kurzer Schlaf. D zieht einen Lippenpflegestift hervor und rechtfertigt sich mit dem Hinweis, dieser sei ein Werbegeschenk. Endlich kommen beide zu dem Schluss, dass die Nahrungsaufnahme sie wohl müde gemacht haben muss...] H: Sonst noch was Assistentorisches? D: Ich meine, wir hatten ja schon ganz viele Aspekte angesprochen, die man jetzt wiederausgraben, angraben kann... H: Wie, ganz viele Aspekte? D: In der Folgezeit nach dieser Ausstellung, immer mal wieder tauchten die so auf. H: Ja welche denn? Welche Aspekte denn?! [prustet ungläubig] „Duhu, wir haben da ganz viele Aspekte angesprochen, hör mal"... D: [nachsichtig amüsiert] Hanneees, ich glaube, wir haben da nichts unkommentiert gelassen, keinen Atemzug, auch schon während der Ausstellung! Aber ich finde das auch schon einigermaßen anstrengend und fast zu kompliziert, das alles jetzt noch mal auf den Tisch zu bringen. H: Du bist eine faule Nuss! D: [freudig empört] Wieso bin ich jetzt eine faule Nuss?! Du bist ein fauler Sack! Du sagst, du bist müde, nach dem Motto: Frau Dietz, ich lege mich schon mal ab, Sprudel mal weiter! [Lachen] H: [lockt] Ja, Sprudel mal. Komm, ein bißchen sprudeln... Na, im nachhinein habe ich das Gefühl, ich habe viel über die von mir positiv erlebte Zusammenarbeit geredet. Über das haben wir sehr gesprochen nach meinem Empfinden. Aber das ist ja nicht aufgezeichnet! D: Da muss man sich halt nochmal langsam rantasten, ich finde, an ein paar Punkte haben wir uns doch schon rangerobbt. Schließlich lässt sich das nicht eben mal aus dem Boden stampfen... zumal du wieder so renitent dabei bist. H: [lacht] Nun mein Kommentar war, dass ich doch irritiert war, dass du anscheinend recht manipulativ... also es ging um ein Ziel und nicht ums Argument! Ziel war: diese Hand irgendwie zu verhindern, Argument war: alles, was das befördert, ist richtig. [D lacht] Und auch wenn man dem armen Hannes dann sagt, der täte immer seine Arbeit noch konterkarieren. Ich weiß nicht, ob das Wort „konterkarieren" fiel, auf jeden Fall hat mich das sehr, sehr nachdenklich gemacht. Der Stephan Berg bezog sich schließlich konkret auf diese eine Situation... und dass der Kater irgendwann immer an den Punkt kommt, wo er versucht, seine eigene Arbeit wieder in Frage zu stellen und sie damit zu schwächen... D: Wer? Ich? H: Ich weiß nicht, ob du das warst oder Armin? Und halt wirklich: „Ja, Hannes, also der Berg hat schon recht, das ist hier so und das machst du immer so, denk mal drüber nach". Hm! D: Ja, aber es war und ist doch Fakt, dass du bis dahin, gerade was diese Zeichenaufträge angeht, noch nie ernsthaft gesagt hattest: ich mache die und schickt mir was! Sondern immer so ein bißchen vermauschelt auch, ein bißchen außen vor gelassen, oder eben die Kärtchen irgendwo heimlich hingelegt, wenn niemand zu Hause war (lacht!). Irgendwas war doch da immer. H: Ja, okay. Ich habe doch das Problem jetzt schon wieder, dass ich die ausgeführten Arbeiten einfach nicht rausschicke! D: Die Zeichnungen? H: Ja. D: Na und? Das hat ja erst mal mit dieser ersten Maßnahme, diesem Anbieten, nichts zu tun. H: Doch... ich meine, mein Verhältnis ist zu diesen Auftragszeichnungen ist ein schwieriges... ich mag die nicht so gerne wie meine "normalen" Zeichnungen. Deutlicher gesagt: ich mag sie so wenig, dass ich sie nicht gerne zeige. Aber ich mag die Idee und das Konzept... und solange die Arbeitsergebnisse direkt an die Auftraggeber gehen, sehen das ja auch eben nur die. Und die knapp über 10% der entstandenen Auftragszeichnungen, die ich doch ausreichend gelungen finde, zeige dann doch... aber eben nicht voller Überzeugung. Und diese "fragliche" Hand habe ich halt ursprünglich nicht als Infragestellung erlebt, sondern als passend zu dieser Situation. Das wäre ja sonst so, was weiß ich, ich behaupte, ich sei Meistertänzer und stelle noch ein Werbeschild auf: hier ist der Meistertänzer. Außerdem hat die Ambivalenz der Hand für mich auch etwas zu tun mit der Ambivalenz dieser Werbe-Kärtchen: immerhin steht auf jeder der Kärtchen: "Sei dabei! Gib alles! Glaub an Kunst! Da hatte ich eine Vorlage: eine Werbeaktion von Coca Cola... das "Sei dabei! Gib alles!" habe ich direkt übernommen... was bei der Brause dann als Drittes kam, erinnere ich nicht mehr... vielleicht "Glaub an Dich"? Jedenfalls ging es mir auch um ein Einnisten, oder um ein trojanisches Pferd... ich benutze da etwas Etabliertes, probiere es allerdings mit einem anderen Inhalt aus, einer anderen Haltung, zitiere und verfremde eine Geste. Sozusagen ein Kuckucksei. Also: diese Kärtchen haben eine gewisse Ambivalenz, und diese Hand hat für mich halt auch eine Ambivalenz. Und die Frage wäre dann, ob man denn diese beiden Ambivalenzen zusammenpacken muss, und ob sich das verstärkt oder aufhebt? Also ob das irgendwie produktiv ist. |
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