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xxxxxxogik | D: Also du scheinst ja bis heute noch nicht davon überzeugt zu sein, daß die Wirkung sich dort eher aufgehoben hätte... H: Nein, also für den Raum war das sehr richtig, das nicht zu machen, also die Hand wegzulassen, das ist schon richtig. D: Das war ja auch eine Entwicklung, ich glaube, es war dir selbst nicht klar, wie ernsthaft das dann dadurch rüberkommen kann. Auch mit den Flashern, das war ja am Anfang auch noch nicht klar, ob da eben nicht auch mehr Ambivalenz zum Ausdruck kommt, wie die wirken, oder ob die zu schwach sind oder zu stark, oder das gut zusammengeht. H: Na, Ambivalenz ist vielleicht nicht das richtige Wort... eigentlich geht es da ja tendenziell um ein Ausprobieren von Kanälen. Also so ein Flasher ist sozusagen so ein Kanal. Was passiert, wenn ich eine Zeichnung in einen Flasher packe. Was passiert, wenn ich eine Zeichnung, die auch noch ein Zeichenauftrag mit Text ist. in so einen Flasher packe. Das sind jetzt zwei Möglichkeiten, und beidesmal verändert das was. Was passiert, wenn ich nicht nur einen Flasher habe, sondern zwei. Was würde passieren, wenn ich fünfzig Flasher hätte! Was passiert, ich könnte so einen Text einer Auftragszeichnung an die Wand schreiben, oder ich könnte so ein Kärtchen machen, was passiert, wenn dieses Kärtchen so aussieht wie es aussieht. Was passiert, wenn so ein Kärtchen anders aussehen würde. Das sind ja bestimmte Muster, also Muster jetzt nicht im Bild, sondern sozusagen in der Rahmung. Also ich könnte um eine Zeichnung einen Holzrahmen machen, oder ich könnte die hinter Glas bringen ohne Rahmen, oder halt auf Alu aufziehen, oder das Ganze könnte 3x4 Meter groß sein in Rahmen oder direkt auf der Wand, und trallala. Es gibt diese Zeichnung, die abstrakterweise und idealisiert körperlos ist, also nur diese Zeichnung, sie könnte halt ganz klein oder ganz groß sein -das ist natürlich nicht so, aber mal grob vereinfacht- und es gibt halt für diese Zeichnung dann einen Kanal. Oder abgestaffelt, die Zeichnung ist meinetwegen auf Papier, und dann liegt sie auf einem Papierhalter oder sie ist im Flasher, das sind unterschiedliche Kanäle. Und diese Kärtchen sind für mich auch ein bestimmter Kanal. Ursprünglich war ja das Konzept, daß dieser letzte Raum einmal einen didaktischen Aspekt hat, und einmal einen agitatorischen Aspekt. Also im letzten Raum sollten ganz, ganz ursprünglich auch Modelle drin sein, ob jetzt als Computersimulation, oder als Ausdruck. Teilweise war das sogar mal angedacht, daß nun wirklich ein gebasteltes Modell da steht von irgendeinem Raum, wo dann eine kleine Wandzeichnung auch drauf ist, irgendwie sowas. Und diese Farbaufteilung, wie sie dann war, mit dem Blau und dem Rot, ist ja auch nicht nur so, daß also Blau halt was mit Ferne und Kühle zu tun hat, und Start, sondern Rot ist für mich auch eine agitatorische Farbe. Es war auch mal angedacht, daß halt dann im letzten Raum eben durchaus so ein Spruchband stehen könnte, so ein Demo-Band oder so. Ob dieses sich erst mal auf diese Auftragszeichnungen bezieht, oder nur einfach Zeichnen oder so... aber es sollte halt eine Agitation stattfinden, die über die eigentliche Zumutung Agitation, daß einfach irgendwie was an der Wand hängt, hinausgeht. Und deswegen kam mir das halt auch mit dieser Farbfolge zu paß, mit dem Rot. Und diese Hand hatte für mich halt auch diesen agitatorischen Aspekt auf eine bestimmte Art, also dieses Nervende. Und das Problem ist halt, daß dieses Abschiedswinken da auch drin ist. Das habe ich halt übersehen. Für mich war es halt: hier, Aufmerksamkeit. Und dieses Abschiedswinken habe ich erst mal übersehen, schlicht und ergreifend. Weil ich die halt in anderen Zusammenhängen gesehen habe, einmal in der Cafeteria, da stand die neben der Kasse, und da geht es nicht um Abschied, weil man ja den Raum nicht verläßt. D: Aber da hat es ja auch schon nicht funktioniert! Ich finde das so und so total merkwürdig, weil in dieser schwachen Hin-und-her-Taktung ist tatsächlich immer eine unangenehme Irritation drin, das ist echt so, als wenn jemand in der Menge eine undeutliche Bewegung macht und du denkst: wie, meint der mich jetzt, oder winkt der? Und was heißt das, eine Begrüßung oder... ? Das kann ja auch eine Begrüßung sein. |
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| H: Jaja, ich habe jetzt in einem kleinen Computerladen bei mir um die Ecke eine Hand entdeckt, die macht so [demonstriert wie eine Hand greift]. Ich habe schon mit dem Ladenbesitzer gesprochen... [freut sich] D: [lacht] Oh Gott. H: ... ob er die mir überläßt, und er meinte, nach Weihnachten soll ich noch mal fragen. Irgendwie ist es natürlich auch ein Scheitern, aber ich glaube, es wäre ganz spannend, einfach diese beiden Hände da mal nebeneinander zu haben. Auch ästhetisch ist die hypermodern, also die ist so pseudo-modern, so futuristisch, so ein bißchen wie so eine nicht gerenderte 3 D-Gitternetz-Geschichte, blau und dynamisch, und macht irgendwie so, also die greift scheinbar nach was. Eigentlich ist es mehr so die Hand auf etwas legen. Ich weiß nicht, früher gab es auch solche Sparbüchsen, wo so eine Hand rauskam. Man legte irgendwo zehn Pfennig hin, und dann kam so eine Knochenhand rausgekrochen und griff das und zog die so in die Kiste rein, kennst du die? Das hat mich mal als Kind sehr beeindruckt, ein paar Monate lang war das mal Mode, da hatten relativ viele Leute diese Spardose. Und das war halt irgendwie ganz praktisch, weil alle natürlich fasziniert waren und das sehen wollten, und mußten immer zehn Pfennig rauflegen, so kriegte man irgendwie Geld zusammen. Bis dann alle wußten wie es geht, und keiner mehr da Geld auflegte, oder die Batterien dann auch ständig alle waren. D: Das Geld ging wahrscheinlich nur für die Batterien drauf. [höhö] H: Vermutlich, ja. Kennst du Nick Knatterton? Liebt dein Vater Nick Knatterton? Hast du ein Glück! Übrigens diese alten Ratesendungen, von denen ich dir neulich erzählt habe, da waren Nick-Knatterton-Zeichnungen als Zwischengrafik drin, ich habe es sofort entdeckt! Der Zeichner heißt irgendwie Schmidt, und ich dachte sofort: das ist doch der Schmidt! Und dann kam das irgendwann, Ja, und der Zeichner hat ja Nick Knatterton gezeichnet. Auf jeden Fall gibt es da was über Telefonklingeln. Und Nick Knatterton, der wird ja ständig angerufen und das ist nervig, hat dann verschiedene Formen, wie kriegt man mit, daß das Telefon klingelt, Klingeln nervt. Und dann hat er Lampen, die so aufblinken, und dann gibt es aber auch so eine übelste 50er Jahre Kommode mit so schrägen Beinchen weg, wo dann eine Klappe aufgeht, wenn das Telefon klingelt, und eine Hand so winkend rauskommt. Dann haut er da drauf, und die verschwindet dann wieder. Also ich bin nicht der Einzige [Lachen], will ich damit sagen; ich bin wahrlich nicht der Einzige. D: Beleg, Beleg. Da fällt mir wieder das Wort „defensiv" ein... Hat das Berg nicht auch verwandt in diesem Zusammenhang? Weißt du, auf der einen Seite der Hund mit dieser Wahnsinnstafel, und auf der anderen diese indifferente Mini-Hand... H: Ja, aber der Hund war auch klein eigentlich, also für diese Raumproportion. D: Oah, aber angesichts der anderen Sachen war er relativ groß als Maßnahme, finde ich. |
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| xxxxe-Hand | H: Ja, okay, ja. D: Und mit dem Text noch mal, daß der auch so 1:1 wiederholt wurde. Es wurde nicht für diese Größe ein anderer Text gemacht als auf den Karten, sondern übernommen. H: Jaja, dieses Agitatorische und Tautologische, das muß dann auch sein. D: Und dem gegenüber diese schwächlich winkende Hand! Die inmitten der anderen Ansätze auch verschwimmt... H: Ja, die ist zu niedlich. Abgesehen davon, daß dieses Winken halt wirklich problematisch ist... D: Es ist ja eben kein eindeutiges Winken, sondern das ist ja eher komisch, wie dieses Gerät fürs Klavier, ein Metronom, mit diesem Rhythmus, [schnalzt im Takt] Finde ich ganz grauenhaft. Und sie winkt eigentlich sowieso nicht! Dafür braucht es eine offene Hand, offene Handfläche, sondern sie hält etwas, sie ist geschlossen. H: Nun ja, sie hält ein Kärtchen... ich meine, ursprünglich hielt sie halt eine Packung Zigaretten, oben schauten sogar zwei oder drei Zigaretten aus der Packung raus! Und ich habe halt oben die Dinger weggeschnitten und auf diese eigentliche Zigarettenpackung da paßte halt genau so ein Kärtchen drauf. Ich meine, das funktioniert vielleicht mit Zigaretten, weil man sofort erkennt, das sind Zigaretten. Man könnte sich denken, also da bietet jemand sozusagen vermeintlich Zigaretten an, oder er sagt: hey, du könntest ja eine Zigarette rauchen. Okay, ich gebe ja zu, daß diese Hand schwierig ist. Und diese Hand hat halt vor Ort nicht funktioniert, wird vielleicht auch nie funktionieren. Aber hat halt mit diesem, was ich halt Kanäle nenne, zu tun. Sozusagen verschiedene Reisemöglichkeiten nutzen. Und ob das nun ernsthaft ist, oder nicht, das kann ich kaum sagen... weiß ich jetzt nicht. Naja, und ich habe dann eure Argumentation so verstanden und das dann auch zumindest ein Stück weit so erlebt, daß es eigentlich zum Schluß was war, was hauptsächlich als Kanal sagte: ich bin eine Kunstausstellung! [D gluckst] Und das ist ja auch okay. D: Was ist okay? Die Hand, oder das Weglassen der Hand? H: Ja, das Weglassen der Hand, aber der Kanal der gesamten Ausstellung war wirklich: ich bin Kunst, und das ist eine Kunstausstellung, und ich gehöre auch in diesem Rahmen rezipiert. Und das wird dann halt als Ernsthaftigkeit auch wieder begriffen, was ich auch verstehen kann. [ooooh, virtuelle Streicheleinheit d.Ass] Was lachst du denn jetzt so? Können sie noch zwei Worte zu Ihrem etwas müden... D: Ich lache, weil du gerade mit den Worten geschlossen hast : "Was ich auch verstehen kann". Das zeigt immer noch dein Staunen über diese anderen Wege und Kanäle. Daß du halt wirklich immer wieder nur von deiner Seite her kommst und es für dich der erste Gedanke ist, diese Hand da mit reinzunehmen. Es ist einfach der favorisierte Kanal, der für dich was transportiert. H: [lacht] Ja, klar. D: Das ist ja alles absolut schlüssig und nachvollziehbar und plausibel, aber ich glaube, was uns, die Außenblicke, doch geeint hat und manchmal zu diesem schnellen Nicken führte, jenseits dieser doch unterschiedlichen Argumente, war, daß man intuitiv spürt, oder auch sieht, noch dazu im Raum oder an der Wand, eben ohne so eine lange Vorgeschichte wie du sie vielleicht hast mit der Hand, daß man einfach nur sieht: geht nicht. H: Ja, ich meine, dem Augenschein nach geht das nicht, klar. Nur manchmal ist man ja verbohrt! D: Aber ich fand das noch sehr süß, wie jeder so auf seine Art das ja auch dann mitbedacht hat, daß dir der Abschied so schwerfiel, du ja auch immer ganz tapfer am Abnicken warst aller Argumente [Lachen]: Ja, verstehe ich und begreife ich... H: [brüllt... spielerisch] Ist mir aber egal! D: ... andererseits man doch gedacht hat, man tut dir jetzt wirklich auf so einer ganz menschlichen Ebene ein Herzleid an, oder Ungutes, wenn man dir diese Hand da irgendwie verwehrt. H: Man zwingt den Herrn Kater dazu, eine ganz solide Kunstausstellung zu machen. Ich meine, so habt ihr da euch aufgeführt! [D lacht] „Hannes, tut mir ja schrecklich leid, aber eigentlich ist es doch mal an der Zeit, daß du eine Kunstausstellung machst, weil, worum geht es denn hier eigentlich." D: Ja. H: lacht) Ja. D: Ach nee, jetzt fällt mir das erst ein, ich war ja die ganze Zeit da stehengeblieben, als ich da mich und Armin noch stehen sehe, du warst wahrscheinlich verschwunden, so mhm, so irgendwie ins selbe Hörn getutet, wo es auch noch mal so eine Situationskomik beinhaltet hat, weil wir da beide sehr unsicher waren, noch mal unserer Rollen, so ohne dich auch, weil du da gerade verschwunden warst, das war sehr vorsichtig, ob man das auch wagen kann, so eine Einigkeit, einen Konsens, oder der auch trauen kann, und als es dann soweit war, war es dann sehr erleichternd, fast erleichternd. H: Ich glaube, ihr habt euch auf irgendeine Formulierung geeinigt, wie: auf der roten Wand ist es noch „weinerlicher" als auf der weißen. Irgendwas war da, oder? D: Ja, oder „larmoyant"? Nee... H: Das kann sein, ja... D: Ja gut, das waren alles Dinge und Befindlichkeiten, die sich aus der Situation entwickelt hatten, das läßt sich zwar noch grob rekapitulieren, aber an die Gefühle dahinter kann ich mich jetzt auch nicht mehr so genau erinnern. Ich dachte einfach bis eben noch, der erste Schritt sei gewesen, also rote Wand geht gar nicht, oder wäre noch sowas Altes gewesen, also „old-school", und die weiße (dann nicht ganz so eindeutig/heftig). Aber wir waren schon weiter [als Armin kam], das habe ich jetzt erst erinnert, daß die weiße Wand schon bald die „ohne Hand" war. Wo du ja noch ganz schwer rumgemault hast. Und für diesen Fall gab es ja noch keine andere Halterung! Deshalb war es auch noch mal schwerer, sich das vorzustellen. H: [gebeutelt] Hm. Aber wieso ist die rote Wand old-school, kannst du das noch begründen? D: Die Hand auf der roten Wand. H: Ja. Was ist da old-school? D: [seufzt] Ja, daß die Wand als Hintergrund, vergleichsweise riesig und dann noch in diesem Rot, die Hand noch zusätzlich betont, bzw. dieses unglückliche Ensemble: hier die Karten, und hier die Hand. |
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