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01. Januar 2021
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Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
31.12.2020
Lieblingspfeile

LP 1804 - Lieblingspfeil Nr. 1804 von Hannes Kater
LP 1804 - Lieblingspfeil Nr. 1804 von Hannes Kater
Werbeanzeige mit Sonderangebot für Kissen
Lieblingspfeil Nr. 1804
Haus-Pfeil-Unschärfe

So wie diese Haus-Pfeil-Unschärfe auf dem "l" und dem "O" sitzt... wird
das "l" Teil der Pfeilbahn, bzw. der Hauswand... lustig und ein wenig cheasy.

Das beworbene Kissen allerdings, das klingt doch eher ungemütlich: Füllung 100% Polyester, Bezug immerhin noch 50% Polyester... da möchte man seinen Kopf nicht wirklich drauf betten.

#

Das ein zu Hause sein auch viel mit einem nach Hause kommen (können) zu tun hat, haben wir im zu Ende gehenden Jahr aus einem unerwarteten Blinkwinkel neu erfahren müssen:
wir können nicht
Zuhause ankommen und uns willkommen fühlen, wenn wir vorher dieses Zuhause gar nicht haben verlassen können...

Wobei: Kissenbezüge mit einem Anteil von 50% Polyester – und dazu noch einer hundertprozentigen Polyester-Füllung – lassen einen sich so oder so nicht zu Hause fühlen.


Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Aus: Luftwurzeln. William Bronk im Gespräch mit Paul Auster und Henry Weinfield.
In: Schreibheft, Zeitschrift für Literatur, Nr. 82, Februar 2014, S. 109 ff
*  Die Einsicht in die Nichtdar-
stellbarkeit hält ihn nicht da-
von ab, Nichtdarstellbarkeit
darzustellen.
Aus: Bronk. Von Stefan Ripp-
linger, ebenda
30.12.2020
Aufräumen XV

Irgendwo gab es vor einiger Zeit vergünstigte alte Ausgaben von einer Zeitschrift für Literatur... und aus irgendeinem Grund, vielleicht wartete ich auf jemanden... guckte ich mir die näher an... und als ich den Namen Paul Auster auf einer Ausgabe auf dem Titel erwähnt fand, guckte ich sogar neugierig rein – und musste das Heft dann kaufen, weil mir das darin abgedruckte lange Gespräch, was Auster [A], zusammen mit Henry Weinfield [W], mit William Bronk [B], von dem ich bis dahin noch nie was gehört hatte, so gut gefiel.



[…]
W: Gibt es nicht ein Gedicht von dir über die ultimative Wirklichkeit, die sogar eine Postleitzahl besitzt?
A: Das ist einer dieser Dreizeiler. Wahrscheinlich das lustigste Gedicht, das du je geschrieben hast.
B [rezitiert]:
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Die ultimative Wirklichkeit hat ihre eigene
Postleitzahl: 12839
Das ist alles. Schreib mir. Hierher.
W: Deine Arbeit ist sehr direkt im Zugriff, und ich denke, dass viele Leute gerade deswegen [… Probleme haben, sie zu verstehen.]
B: Das hat mich immer verblüfft. […] Ich kann mir niemanden vorstellen, der sich klarer ausspricht als ich. Wie kann man das nicht verstehen?
A: Ich stimme dir zu. Es macht mich ratlos, wenn Leute darauf stoßen und sagen: "Das ist so schwer zu begreifen." […]
B: Es kann sicher nicht an der Sprache liegen […]. Ich benutze keine schwierigen Wörter. […] Natürlich ist die Poesie symbolisch, sie ist metaphorisch, aber an ihrer Oberfläche sagt sie geradeheraus, was sie meint.*

Auch wenn in Bronks Gedichte Alltags-
beobachtungen einfließen, erweisen sie
sich bei näherem Hinsehen allesamt als
Beobachtungen zweiter Instanz; Beob-
achtungen des Nicht-Beobachtbaren.
*
Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Der Zeichnungsgenerator. 64 Seiten, mit einem Textbeitrag von Gabriele Mackert. Hrsg. vom Kunstverein Hannover
29.12.2020
Aufräumen XIV

Kunstverein Hannover. Hannes Kater und Björn Melhus 2001 - Situation im Treppenhaus während der Ausstellung "Der Zeichnungsgenerator" 2001
Netter kleiner Hund im Eingangsbereich des Kunstvereins Hannover während der Ausstellung der Stipendiaten der Jahre 1999/2001 des Kunstvereins Hannover: Bjørn Melhus und Hannes Kater
Das Scannen von alten Kleinbilddias und Farbnegativen ist so lustig wie frustrierend: die meisten Farbnegative wurden nie abgezogen und so ist die Freude groß, die Scans auf dem Bildschirm zu sehen... aber frustrierend ist die schlechte Qualität der Scans, die mein Scanner Zuhause so hinbekommt – und die geringe Schärfe des Ausgangsmaterials.

Ich habe die Tage den alten Katalog zu meiner Ausstellung im Kunstverein Hannover im Jahr 2001 rekonstruiert
* – es gab den nie als eine PDF-Datei – und noch etwas ergänzt mit einigen der jetzt entstandenen neuen Scans... hier findet sich das PDF.

#

Mein Part der Doppel-Einzelausstellung mit Bjørn Melhus trug zwar den Titel
Der Zeichnungsgenerator, aber die einzigen normalen und ordentlich gerahmten Zeichnungen von mir hingen im Treppenhaus des Kunstvereins – und somit außerhalb der Ausstellung...



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Mehr Glück! Mehr Geld!
Mehr Tempo! (Solo)
De Melkfabriek,
's Herzogenbosch, NL 1999
28.12.2020
Aufräumen XIII

Die Technik des Glücks - Mehr Tempo! Mehr Glück! Mehr Macht! Von Franz Jung
Franz Jung: Die Technik des Glücks. Cover-Zeichnung: Lutz Schulenburg. Edition Nautilus – Verlag Lutz Schulenburg, Hamburg 1987
Ich dachte ja bis vor kurzem, ich hätte mit meinem Austellungstitel „Mehr Glück! Mehr Geld! Mehr Tempo!* den Franz Jung wortwörtlich zitiert.
Lustiger Weise hatte Jung 1921/23 seine „Die Technik des Glücks“ aber mit einem etwas anders lautenden Untertitel versehen: „Mehr Tempo! Mehr Glück! Mehr Macht!“

Als ich mir damals den Ausstellungstitel überlegte, hatte ich mich
falsch erinnert... denn Jungs "Die Technik des Glücks", das ich mir, schwer beeindruckt von der Lektüre seiner Autobiografie "Mein Weg nach unten" per Fernleihe mühsam organisiert hatte, war da schon längst wieder zurückgegeben. (Jahre später war es dann erstaunlich unproblematisch, das Buch zu erwerben... )

Meine Version für den Ausstellungstitel finde ich nicht nur rhythmisch besser – vielleicht aber auch nur, weil ich mich dran gewöhnt habe –, sondern auch inhaltlich, insofern man bei so Schlagworten wie Glück, Geld, Macht und Tempo von „Inhalten“ sprechen kann. Und von der Abfolge, also der Reihenfolge, finde ich meine mit dem Unfassbarsten, also dem Glück, startende Fassung sowieso schöner.

Denn anders als eine Forderung wie "Sei Spontan!", die einen sich verlässlich in die Fallstricke des Double-Binds verheddern lässt, ist der Ruf nach "Mehr Glück!" einfach nur als Duftmarke zu verstehen, weil er inhaltlich nicht fassbar ist – und so eigentlich nicht als Imperativ missverstanden werden kann.

#

Überhaupt ist Die Technik... (heute) kaum (mehr) lesbar... aber Abschnittweise sehr lustig, etwa wenn eine nicht rettende (lösende, also erlösende) Liebe mit Symptomen einer sozialen Deprivation (Jaktation) beschrieben wird:
"Liebe ist, wenn einer seine Angst nicht mehr allein tragen kann und sich hinter einen anderen verkriecht, damit der auch zapplig wird. Und wenn dann beide zappeln,
dann schlagen sie sich die Köpfe wund, denn das ist noch immer mehr als allein zu frieren, oder sie holen [!] sich dann ein Drittes, dann nennt man das Elternliebe. Bis auch das zappelt. Dann heißt es Familie. Und so fort."

Retten kann einen da – wenn ich Jung richtig verstehe – nur eine Energie [mein Begriff – Jung nennt es Liebe, bzw. Lebendigkeitskraft], wie sie in bewegten Gruppen, also in Bewegungen entsteht und erfahrbar wird...

Das deckt sich halbwegs mit meiner Lebenserfahrung – nur bietet er auch keine Lösungen dazu an, wie denn solche Bewegungen [Künstlergruppe, Band, Theatertruppe, Bürgerinitiative, usw.] über einen längeren Zeitraum produktiv funktionieren können, ohne zu erstarren oder sich zu zerlegen – oder, und das ist dann fast die trostloseste Möglichkeit, in genau die selben Muster zu verfallen, wie eigentlich alle anderen Verhältnisse...



Cover Ferdinand Krivet Lesebuch
Beyoncé in ihrem Song Formation aus dem Jahr 2016, siehe auch Eintrag vom 08.02.2016
Formation:
1. Ausformung:
a) Entstehung von einer Form,
b) Erscheinungsform,
c) Folge von Gesteinsschichten
2. Anordnung, Zusammen-
stellung: im Militär und im davon bestimmten Sprachgebrauch; auch im Sport: Formationstanz, Angriffsformation (Fußball)
Vgl. auch mit LP 1458
**  Definitionen und Aspekte von Information:
- das Wahrgenommene muss dekodiert werden können
- strukturell vollständige Übertragung, Datensicherheit [Syntaktik]
- Bezüge und Bedeutungen müssen erkannt werden [Semantik]
- pragmatischer Gebrauchswert, Information hat einen Nutzen:
a) neu (nicht redundant)
b) nützlich (relevant)
c) Grundwissen (Bibliothek)
Die oben genannten Aspekte treffen auf die meisten Kunstwerke eigentlich nur bedingt oder gar nicht zu...
Aber: seinen 1. Auftritt hatte das "Kunst ist Information..." im Creamcheese-Manifest, das Kriwet zusammen mit dem deutlich älteren Günther Uecker schon 1967 vorgelegt hatte und wo die Aussage mit "... und Kunst ist Unterhaltung." fortgesetzt wurde.
*  Vgl. auch mit LP 265
27.12.2020
Lieblingspfeile

LP 1802 - Lieblingspfeil Nr. 1802 von Hannes Kater
In Formation: Native Americans bilden mit ihren Körpern einen Pfeil. Standbild (Detail) aus: Lucky Luke. Die neuen Abenteuer. Folge 35: Der General, der die Hunde liebete. Frankreich 2001
LP 1803 - Lieblingspfeil Nr. 1803 von Hannes Kater
Schön verpackte Weihnachtspost (Kriwet Lesebuch) – diesmal also eine analoge Pfeileinreichnung von Bettina Brach
Lieblingspfeil Nr. 1802
Von Protagonisten gebildeter Pfeil

Okay, […] let's get in formation.*

"Kunst ist Information" – so steht es zumindest im Klappentext – also eigentlich dem Back-Cover – des Ferdinand Kriwet Lesebuchs, was ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe...

Information...
** Ist das nicht eine sehr einseitige – und auch ihren Möglichkeiten nicht gerecht werdende – Sichtweise auf Kunst?
Selbst wenn man berücksichtigt, dass es hier ums Manifestieren ging, also um das Produzieren von so einem tradierten, unbedingt einseitigen und provokativen, Avangante-Manifest?

#

Wenn ich die zwei unterschiedlichen Texte (aus 1968 [1] und 1969 [2]) von Kriwet im Lesebuch, die genau gleich mit "Kunst ist Information" anfangen, mal zusammen kompiliere, dann kommt das hier bei raus:

Kunst ist Information [1,2] Damit eine Information zustande kommt, bedarf es eines Informationsträgers [1] Zum Träger sprachlicher [... ach so: Kriwet bezieht sich auf Sprache] Information eignen sich alle Gegenstände, Materialien und Medien [2]

Weiter formuliere ich dann so:
Das Anordnen von diskreten Zeichen auf Flächen, die dann ihrerseits räumlich geschichtet oder aber räumlich interpretiert werden können, ist die klassische Vorgehensweise.
(... statt Kriwet: Die Verräumlichung von Sprache als Schrift ist nur eine Dimension.)

... Schichten: Bildgebende Verfahren (MRT, Computertomografie) [Auslesen von Körpern...] oder 3D-Drucker, die plastische Objekte Schicht für Schicht drucken [Produktion von Objekten...]


##

Lieblingspfeil Nr. 1803
Räumlich verschränkte Pfeile

Als hätte sich der eine
Pfeil beim anderen Pfeil untergehakt, um zusammen einen tranportfirmenüblichen Doppelpfeil und auch "S" zu geben*, ein "S" wie der 1. Buchstabe der Firma "Speedlink Worldwide Express"...

Die ansteigend breiter werdenden grauen Diagonallinien helfen, die räumliche Staffelung der beiden Pfeile noch besser herauszuarbeiten.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Der Datumsstempel auf dem Gepäckschein
Right Drawing in Wrong Settings (A Lamkin Goes and Carries The Debt... )
Bildprogramm für den Ausstellungsraum der Gallery Number 35, New York, NY, Sommer 2008
Mehr hier
26.12.2020
Aufräumen XII
Baggage Dentification Tag von einem Flug nach NYC im Jahr 2004
Das Baggage Dentification Tag von meinem Flug von Kopenhagen nach NYC am 28.04.2004
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1801
Pfeil mit Kreisbahn-Pfeilbahn

Weniger ein, für Transportanlässe typisches, Vor und Zurück, als ein Umkreisen von etwas, scheint mir mit der, perspektivisch scheinbar korrekter als Elypsenausschnitt dargestellten, gestrichelten Pfeilbahn hier dargestellt zu sein...
Auffallend sind neben der nur im Pfeil zum Einsatz kommenden roten Farbe – wird er
damit nicht überproportional wichtig? Schließlich zeigt er eigentlich nichts an oder verweist auf etwas wesentliches... Dieser Doppelpfeil ordnet lediglich das Logo mit dem stilisierten Vogel dem Schriftzug "Lufthansa" zu – die geringen Abstände zwischen den Strichen, aus denen sich die Pfeilbahn zusammensetzt. Und das eine Pfeilspitze, also die linke, "nicht angebunden ist", während die rechte Pfeilspitze direkt in einen Pfeilbahnstrichel übergeht...


Der 28.02.2004 war der Tag, an dem sich entschied, dass ich nach meiner zu Ende gehenden Stipendiaten-Zeit nicht so bald wieder nach NYC kommen würde, weil ich ziemlichen Ärger mit der Immigration bekam.

Weil kein Direktflug von Berlin oder Frankfurt nach NYC zu bekommen war, hatte ich eine Zwischenladung akzeptieren müssen, mit dem Ergebnis, dass, wegen meiner Probleme mit dem Druckausgleich, nach der dann zweiten Landung innerhalb kurzer Zeit, in NYC meine Ohren die Umgebungsgeräusche übertrugen, als befände ich mich zwei Meter unter Wasser, ich also praktisch nichts mehr hörte.

An dem Schalter, wo man seine Papiere, in meinem Fall Reisepass, Visum und Stipendiatenunterlagen, vorzeigen musste, wurde ich aussortiert, weil meine Stipendiatenpapiere – trotz mehrmaliger eindringlicher Bitten an verschiedene Stellen der Landesregierung Niedersachsen – wieder mal nicht offiziell genug aussahen... und ich dann bang und eigentlich nichts hörend in einem kläglichen fensterlosen Raum darauf wartete, ja lauerte, aufgerufen zu werden, um irgendwann an den erhöhten Tresen zu treten und mich, demütig zu den Beamten aufblickend, erklären und verteidigen zu dürfen... Auf ein nach mehr als 30 Minuten mehrmals laut ausgerufenes "
Hähns" reagierte ich nicht... bis ein sichtlich genervter Immigration-Officer mich sehr unfreundlich zum Tresen zerrte. Ich hatte natürlich auf so was wie "Carter" spekuliert – und nicht damit gerechnet, dass sie mich per Vornamen, per verballhornten Vornamen, ausrufen würden.

Am Tresen durfte ich dann minutenlang beobachten, wie sie am Computer meinen Fall durchgingen... und als sie mich schlussendlich ansprachen, habe ich sie kaum verstanden. Akustisch nicht. Und weil sie ein, soweit ich das von dem wenigen, was ich zu verstehen meinte, einschätzen konnte, sehr zweifelhaftes Englisch sprachen... eigentlich mehr Spanisch als Englisch. Ich sollte dann auswendig meine Flugdaten der letzten Flüge aufsagen – was mir, wenig überraschend, nicht gelang – und erklären, was ich denn in NYC triebe – was ich auch nicht nachvollziehbarer hinbekam, als die ihnen vorliegenden Papiere, die meinen Status als Stipendiat mit bezahlter Wohnung und bezahltem Atelierplatz eigentlich bestätigen sollten...

Irgendwann erklärten sie mir, dass ich jetzt für mindestens 1 Jahr ein
Einreiseverbot hätte – und dass ich, wenn ich nicht ein bezahltes Flugticket hätte vorlegen können, für meinen Rückflug nach Berlin nach dem offiziellen Ende des Stipendiums, sie mich umgehend in den nächsten Flug nach Deutschland gesetzt hätten.

Ein Projekt, bei dem im Brooklyn Museum vor einer größeren Sanierung etliche Wandarbeiten realisiert werden sollten, sagte ich ab und kehrte erst 4 Jahre später für 2 Wochen nach NYC zurück, um vor Ort Wandzeichnungen für eine Ausstellung
* zu realisieren... Eingereist war ich, Blut und Wasser schwitzend, mit Freundin und gemeinsamen Kind, als Tourist.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
24.12.2020
Lieblingspfeile

LP 1800 - Lieblingspfeil Nr. 1800 von Hannes Kater
Werbung für die Firma NOCH
LP 1800 - Lieblingspfeil Nr. 1800 von Hannes Kater
Logo der Firma NOCH
Lieblingspfeil Nr. 1800
Pfeil-Baum-Unschärfe

Eine weitere – siehe Eintrag von gestern
Pfeil-Tannenbaum-Unschärfe:
das Logo von Noch, einer Firma, die spezializiert ist auf Modell-Landschaftsbau, wie Felsstrukturen und den dazu passenden kleinen Modell-Bäumen, ist offensichtlicht von einem Tannenbaum – und nicht von einem Pfeil – abgeleitet....


Zwei der Neuheiten der Firma Noch im Jahr 2021 im Maßstab 1:87 (HO):
Produktnr.: 15069 – Paketzusteller, 6 Figuren, € 13,99

Produktnr.: 15519 –
Menschen beim Hamsterkauf, 6 Figuren € 14,99

Aus dem Werbetext des Katalogs für 2021: Unser Fokusthema 2021 lautet "Die guten alten Zeiten". Und so werden bei unseren diesjährigen Figurenneuheiten wunderschöne Erinnerungen wach: fröhliche Jungens kicken auf dem Bolzplatz, Kinder spielen im Schnee, ... Upps, was hat sich denn da dazwischen geschlichen? Menschen streiten sich um Klopapier? Das ist aber eindeutig ein aktuelles Thema.
Bereits im Fachhandel erhältlich.



Denn ersten Eintrag
zum Thema gab es am
19.11.2003 zu diesem
Pfeil-Bäumchen:
Hannes Kater: Tannenbaum-Pfeil-Unschärfe
Weitere Einträge:
24.12.2019 – LP 1512
03.01.2017 – LP 1512
02.01.2017 – LP 1511
23.12.2016 – LP 1509
23.12.2014 – LP 1352
24.12.2007 – LP 988
22.12.2007 – LP 987
24.12.2005 – LP 586
23.12.2005 – LP 585
24.12.2004 – LP 303
24.12.2003 – LP 106

Siehe auch:
04.01.2017 – LP 1513
23.12.2015 – LP 1429

23.12.2020
Lieblingspfeile

LP 1799 - Lieblingspfeil Nr. 1799 von Hannes Kater
LP 1799 - Lieblingspfeil Nr. 1799 von Hannes Kater
Aufdrucke auf einer Gemüsetransportkiste aus Wellpappe
Lieblingspfeil Nr. 1799
Pfeil-Baum-Unschärfe

Immer wieder um Weihnachten herum versuche ich neue Beispiele für eine Pfeil-Tannenbaum-Unschärfe zu finden und hier im Blog zu präsentieren.

Eine Pfeil-Irgendwas-Unschärfe liegt immer dann vor, wenn man nicht sicher entscheiden kann, ob man nun einen Pfeil oder irgendetwas anderes vor sich hat – was vor allen Dingen dann interessant wird, wenn der Kontext nicht mit als Deutungshilfe herangezogen werden kann, bzw. werden soll.

Der tradierte
* Text zur Pfeil-Tannenbaum-Unschärfe:
"Ist ein Weihnachtsbaum nicht eigentlich ein nadelnder Pfeil, der die ideelle Fähigkeit – bzw. Sehnsucht – des Menschen, Irdisches und Überirdisches, also den Abstand zwischen hier und Himmel, beliebig zu durchmessen, symbolisiert?"
(Das ist ein kaum für unseren Anlass angepasstes Klee-Zitat)


Unser Beispiel ist das Logo von International Paper Italia, die 1960 in Italien begannen
Wellpappeverpackungen u.a. für Obst und Gemüse zu produzieren, mit denen die Ware bis in die Supermärkte transportiert wird. Inzwischen sind sie einer der weltweit führenden Hersteller von Faserverpackungen und Papier mit 50.000 Mitarbeitern in 150 Ländern.

Das Logo der Firma ist von einem Baum, also der
Zellstoffquelle, abgeleitet und erinnert bestimmt nicht zufällig auch an einen optimistisch nach oben weisenden Pfeil.
Genauer: spiegelsymmetrisch mit vertikaler Spiegelachse.
Dieses Spiegelsymmetrie zeichnet folgenden Buchstaben aus: A, H, I, M, O, T, U, V, W, X und Y – jeweils noch abhängig von der typografischen Formfindung...
22.12.2020
Lieblingspfeile

LP 1798 - Lieblingspfeil Nr. 1798 von Hannes Kater
LP 1798 - Lieblingspfeil Nr. 1798 von Hannes Kater
Fotografiert vor und im S-Bahnhof Schlachtensee in Berlin. Beim oberen Foto erkennt man in der Spiegelung, dass ich noch meine Maske auf habe...
Lieblingspfeil Nr. 1798
Verpfeilter Buchstabe

Dieses
verpfeilte "A" ist Bestandteil eines tags, das auf der teilverglasten Eingangstür zum S-Bahnhof Schlachtensee in Berlin ausgeführt wurde.

Da ein großes "A" achsensymmetrisch
* ist, kann man es von beiden Seiten betrachten, was allerdings nicht für das vollständige tag gilt.

Und natürlich ist das "A", bei dem der Pfeil in Schreib- und Leserichtung zeigt, das seitenrichtige...



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Nicht nur mein aktuell liebstes Pandemie-Motto, sondern auch das heimliche Motto dieser Rubrik.
Dem Sinn ein Leben geben ist mir so als Lapsus Linguae neulich bei einer Noch-mal-reden-bevor-dem-Schlafen-Runde mit meinem Sohn unterlaufen
Vgl. auch mit:
Die Gruppe, der Sockel und andere Mißverständnisse – Abschnitt VI, einem Text von Armin Chodzinski und mir aus dem Jahr 1997
**  Aus: Politik im Aufriß. Für die Sekundarstuffe II. Unter Mitarbeit von Bernhard Keller, Heinz Klippert, Frank Pietzcker, Reimund Seidelmann und Rudolf Wichard. Frankfurt a. M. 1987
Dieses Schulbuch wurde in der Heinrich-Böll-Bibliothek in Berlin Weißensee aussortiert und ich konnte es gegen eine freiwillige Schutzgebühr von 50 Cent mitnehmen... Ich liebe alte Schulbücher!
20.12.2020
Dem Sinn ein Leben geben*

"Dem Sinn ein Leben geben": LP 1797 - Lieblingspfeil Nr. 1797 von Hannes Kater
Nach: Denkweisen und Grundbegriffe der Soziologie. Eine Einführung. Arbeitsgruppe Soziologie, Frankfurt a. M. 1978
Aufräumen XI

Manchmal landet in einer der Pfeil-Sammelkisten ein ganzes Buch wegen nur ein oder zwei darin enthaltender Abbildungen – und damit die Kisten nicht zu schnell voll werden, schlachte ich in regelmäßigen Abständen solche Bücher, hebe also nur Cover und einige Innereien auf.
   Die Abbildung links stammt aus einem Schulbuch für die Sekundarstufe II, deren Herausgeber die Fähigkeiten der Schüler, Ende der 80er Jahre solche Infografiken interpretieren zu können, wohl zu optimistisch einschätzten.



Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1797
Exessiver Pfeileinsatz

Der Soziologe
S beobachtet (1), wie sich Person A mit Person B unterhält, die sich jeweils selbst dabei beobachten, wie sie sich unterhalten (2). S unterstellt, aus seiner Perspektive, der Situation einen Sinn – der Sinn kommt hier immer von links ins Spiel – und versucht das Ganze zu verstehen (3). Nun entwickelt er eine Theorie (4). Welche Theorie S entwickelt oder für die Situation als passend wählt, ist auch durch die Gesellschaftsstruktur bedingt, die überhaupt Einfluss nimmt auf die ganze Situation, auch auf den Sinn.
Währenddessen bilden auch
A und B jeweils, mit (4a) und (4b), eigene Theorien, welchen Sinn die Situation wohl hat, in der sie sich befinden, ohne allerdings den von der Gesellschaftsstruktur gegebenen Rahmen dabei verlassen zu können.


Seltsamer Weise wird diese Grafik in der Publikation
**, in der ich sie gefunden habe, nicht weiter erklärt – der obige Text ist also von mir.
Es wirkt im Buch eher so, als würde die Grafik dazu eingesetzt werden, eine reine Bleiwüste in einem Textabschnitt zu verhindern, in dem der Soziologe als solcher als jemand vorgestellt wird, der aus einer Vielzahl von, natürlich bestens dokumentierten, Einzelbeobachtungen versucht, eine Theorie abzuleiten.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
So Trostlosfotografie für den Bereich Kunst, aka Kunstbetrieb, ist ja ein eigenes Genre – genug Kunden muss es also geben, die sich das dann kunstamtlich geframte Elend in ihre teuren Buden hängen wollen
17.12.2020
Aufräumen X

LP 1796 - Lieblingspfeil Nr. 1796 von Hannes Kater
Werbung in einer Zeitung für eine Einbauküche
Dokumente zu all dem ästhetischen Elend, in dem sich die Menschen ohne Not und mit viel Geld (ganz viel: Trump) so einrichten*, sammle ich schon lange nicht mehr, aber selbst in meinem kleinen Sammelgebiet bilden sich die Umstände ab.

Den heutigen LP, der um die 10 Jahre in einer meiner Pfeilsammelkisten lag, brachte ich damals nicht, weil ich kein Bild von der hier beworbenen, ursprünglich (angeblich) 7.511,-€ teuren, Einbauküche in meinem Weblog habe wollte: einfach zu deprimierend; ganz unlustig hässlich.

Kompromisslösung, um die Pfeilspitzen-Variation doch zeigen zu können: ein eigentlich zu knapper Ausschnitt, die Zeigesituation ist nicht mehr ganz nachzuvollziehen.



Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1796
Pfeilspitzendopplung

Lustige Pfeilspitzen-Mehrfachdopplung, die dann doch am Preis vorbei weist, also nicht besonders zeigewirksam ist.

Interessanter Weise ist der leicht mitgebogene Teil, in dem das "60% günstiger" steht, nicht gedoppelt, was darauf hinweist, dass dieser Teil vom Grafiker nicht als Bestandteil der Pfeilbahn verstanden wurde.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Textsample: Texte anderer werden gewendet, angewendet – nach möglichst geringen Anpassungen und Eingriffen – auf die Arbeit von Kater oder die Kunst im allgemeinen. Mehr hier
Am interessantesten sind die Ausgangstexte, bei denen nur die Profession der ursprünglich beschriebenen Menschen, etwa Musiker, Schriftstellerin oder Randalierer, ausgewechselt werden musste – auch wegen der nun offensichtlichen Parallelen...
**  Quelle: "Mark E. Smith / 5. März 1957 - 24. Januar 2018" von Jan St. Werner. In Spex Nr. 379, März/April 2018
In etwa so sah dann eine Ein-
ladung aus...
16.12.2020
Aufräumen IX

Kunstpfeil_57 - eine Arbeit von Werner Hartmann in der Pfeilesammlung von Hannes Kater
Studie im Vorfeld der Rauminstallation "Zentrale Eingangshalle", die Hinrich Schmieta und ich 1996 in Braunschweig realisiert haben: wie umgehen mit der vorhandenen, für eine normale Ausstellung nicht geeigneten, Beleuchtungssituation und einem Etat = Null?
Ein Textsample*, was es doch verdient, hier eingepflegt zu werden:

Früh schien bei Kater klar zu sein, wohin die Reise gehen würde: dadaeske Überarbeitungen alltäglicher Uneindeutigkeiten, die uns in einem aus Notationsexperimenten zusammengesetzten Universum im Bildraumschiff in neue, unbekannte Hirnregionen leiten sollten.
**




Das Foto links ist während der Recherchen / Vorarbeiten / Entscheidungsfindungen zu der mit Hinrich Schmieta zusammen realisierten
Rauminstalltion – so nenne ich das mal aus Ermangelung einer besseren Bezeichnung – Zentrale Eingangshalle 1996 in Braunschweig entstanden.

Mit dieser Ausstellung startet seit nun 20 Jahren meine offizielle Ausstellungsliste, ohne das bisher auch nur eine Abbildung online war. Leider haben wir unsere Aktionen damals schlecht bis gar nicht dokumentiert... was mir natürlich hilft, die Arbeiten aus der Zeit in bester Erinnerung zu behalten: schließlich gibt es keine Fotos, die das Gegenteil beweisen.

Das hier vorgestellte Foto sollte auch weniger irgendetwas dokumentieren, sondern entstand als potentielles Ausgangsmaterial für eine dieser Einladungskarten, die ich für so Anlässe preiswert in der Siebdruckwerkstatt der Hochschule produzierte. (Wir haben das Motiv nicht verwendet}



15.12.2020
Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
David Hockney in: Gespräche mit David Hockney. Von Martin Gayford,
**  "Natürlich gibt es da keine Regel. Wenn man für irgendwas eine Regel aufstellt, kommt ein Künstler und wirft sie um."
Siehe auch:
"Jede Regel hat ihre Ausnahme, zweifellos. Also regelmäßig. […]" Hier findet sich die Fortsetzung der klugen Sentenz von Walter Serner
Vgl.:
"You don't break rules, you don't follow them."
Mark E. Smith (The Fall)
Fotos und Räumlichkeit

Hannes Kater - ein Foto, was kaum als Vorlage für eine Zeichnung eignet
Klebeband, Hand und Zeitungsbericht – so fotografiert, dass sich kaum den Raum verstehen helfende Überschneidungen ergeben...
Die meisten Menschen glauben, dass die Welt aussieht wie das Foto von ihr. Ich* habe immer unterstellt, dass das Foto fast Recht hat. Aber durch das kleine Bißchen, um das es fehlgeht, geht es eine Meile fehl.
[…]

Mir war immer klar, dass man nicht sehr gut nach Fotos zeichnen kann, weil man auf ihnen nicht, wie im Leben,
den Raum sehen und fühlen kann.**
[…]

"Picasso und Matisse haben die Welt unglaublich spannend aussehen lassen, die Fotografie dagegen sehr, sehr langweilig.
[…]

Wir leben in einer Zeit, in der Unmengen von Bildern gemacht werden, die nicht den Anspruch erheben, Kunst zu sein. Sie erheben den Anspruch auf etwas viel Zweifelhafteres, denn sie behaupten, Wirklichkeit zu sein.
[…]

Wir denken, Fotos zeigen die reine Wirklichkeit, aber das tun Fotos nicht, weil die Kamera geometrisch sieht – Menschen aber sehen nur zum Teil geometrisch, aber auch psychologisch.
[…]

Wenn ich auf ein Gesicht schaue, erscheint es mir ziemlich groß, weil ich mich darauf konzentriere. Aber wenn ich mich bewege und dort drüben hinsehe, wird das Gesicht von eben klein, kleiner.



Das Motiv links wurde mit der Kamera und für die Kamera gewählt – ohne den Blick durch die Kamera wäre es von mir gar nicht als Motiv erkannt worden... Wie es andersherum nicht so gut funktioniert, zeigt der Eintrag vom 27.11.2020, bei dem eine mit dem menschlichen Sehapparat wahrgenommene, und als interessant eingeschätzte, Situation nicht adäquat fotografiert werden konnte.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Im Homeschooling übt der Sohn französische Präpositionen – und entsprechend war ich konditioniert: ich vermisste beim "ici" nichts und war gerne bereit, dass halb verdeckte "K" als Pfeil zu deuten
12.12.2020
Lieblingspfeile

LP 1795 - Lieblingspfeil Nr. 1795 von Hannes Kater
LP 1795 - Lieblingspfeil Nr. 1795 von Hannes Kater
Tag auf einer Betoneinfassung im Eingangsbereich des S-Bahnhofs Schlachtensee in Berlin
Lieblingspfeil Nr. 1795
Kein Pfeil

Blätter einer Pflanze verdeckten ein Teil eines
"K" in einem Graffiti so, dass ich hier, am Ausgang des S-Bahnhofs Schlachtensee, erst einen Pfeil, gefolgt von einem "ICI"*, sah, bis ein Windstoß die Blätter bewegte.

Dann wartete ich auf einen Moment der Windstille für das obere Foto – und für das untere schob ich dann anschließend die Blätter einfach beiseite.




Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention wurde 1974 gegründet und sowohl medizinisch ausgebildedet Mitglieder, als auch vom Bluthochdruck betroffene Patienten
05.12.2020
Lieblingspfeile

LP 1794 - Lieblingspfeil Nr. 1794 von Hannes Kater
LP 1794 - Lieblingspfeil Nr. 1794 von Hannes Kater
Logo der Deutschen Hochdruckliga, abgebildet in einem Zeitungsartikel der Cardio News aus dem 2006
Lieblingspfeil Nr. 1794
Logo zusammengesetzt aus Pfeil und Herz

Das
Logo der Deutschen Hochdruckliga* ist zusammengesetzt aus einem fast vollständigem Pfeil und einem halben klassischem Herz-Symbol – und macht deutlich, worum es der Hochdruckliga eigentlich geht und was in ihrem Namen so gar nicht anklingt: um die Senkung des Blutdrucks der zu behandelnden Patienten.

Aus dem Artikel über die Jahrestagung der Hochdruckliga: Bei der Blutdrucksenkung sei darauf zu achten, dass die Behandlung keinesfalls zu einer weiteren Gewichtszunahme führt. Problematisch seien vor diesem Hintergrund die Betablocker, weil sie Gewichtsabnahme erschweren und die Insulinempfindlichkeit mindern. [... Der vortragende Prof. Jürgen] Scholze tröstete die anwesenden Kollegen mit der Bemerkung: "Wenn man den einen oder anderen Patienten hat, bei dem der Zielblutdruck nicht erreicht wird, dann ist man nicht alleine."

In der Bildunterschrift unter dem Foto von Prof. Scholze ist es noch prägnanter formuliert: "
Sind Sie erfolglos? Dann sind sie nicht allein!"


Eingereicht von Steve Batsford

Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Aus: Der Zauberlehrling des Kinos. Von Andreas Kilb, FAZ 03.12.2020

Bearbeitete Panels mit etwas veränderten Sprechblasen:
Endlich reich? Venerus und Held, LTB 487, Berlin 2016
03.12.2020
Godard wird 90

Godard praktiziert so etwas wie eine "sehende" Theorie, ein Meta-Kino, incl. der Reflexion über die Voraussetzungen von Kino und dem gesellschaftlichen Umgang mit Bildern überhaupt.

So wie Godard seine Filme montiert, werden aus Kausalitäten Konjunktionen, aus einem "wenn... dann" wird ein "und … und …". Statt behaupteter, dem Erkennen wenig aufhelfender, Synthese, sehen wir
eine kuratierte Reihung von Differentem, das durch Kontrast oder Wiederholung, durch Überraschung oder kaum merkliche Verschiebungen, Einsichten möglich macht, bzw. auslöst.
Denn: dramaturgisch konventionell gebaute Geschichten versiegeln Bilder und Bildfolgen.


Andreas Kilb schreibt in seinem Geburtstagsartikel: "Die Verachtung" ist der vielleicht beste Film, der je über das Kino als Kunst und Ware gedreht worden ist, und doch wirkt er von heute aus gesehen so vorzeitlich wie Picassos „Guernica“.*

Dies liegt aber nicht daran, dass, wie Kilb schreibt, die Helden und Schurken von damals Geschichte sind, sondern daran, dass die – damals neuen – Mittel und Lesarten sich so ausdifferenziert haben, dass die Arbeiten der Pioniere jetzt grobschlächtig und naiv wirken. Allerdings kann es gut sein, dass in 100 Jahren aus einer wieder anderen Perspektive diese Arbeiten wieder als frisch und radikal empfindet.

Die damaligen „Verstöße“ gegen das bis dahin Übliche sind heute kaum mehr wahrnehmbar, da sie mittlerweile selbst in den einfachsten Fernsehinterviews genutzt werden. 

Allerdings: der Trailer zu "Die Verachtung" ist immer noch schockiernd gut. Ganz großartig.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Also der vorbeigehende Titel
30.11.2020
Im Vorbeigehen

Im Vorbeigehen ist der vorläufige Titel* einer Rubrik, in der ich Gesprächsfetzen sammle und vorstelle, die ich beim Spazierengehen oder Einkaufen so aufschnappe.

- nicht anekdotisch
-
ohne Schlußpointe
- einen Moment aufzeichnend
-
keine Geschichte, keine Story
- nicht belanglos und nicht beliebig...
- den Zufall feiernd
- das Fragmentarische würdigend

Idealvorstellung:
Jeder Beitrag sollte in einer Filmszene als Surplus zum Einsatz kommen können, ohne den Handlungsverlauf zu stören und direkt zu beeinflussen...


Im Vorbeigehen_001

001_1: zwei Jugendliche
J1: ... und hast du schon gehört, dass wir von Aliens abstammen?
J2: Ja, digga... finde ich super.

001_2: an der Kasse eines Baumarkts

K: Haben sie eine Hey-App?
E: Wie bitte?
K: Haben sie eine Hey-App?
E: Was soll das sein?
K: Hey ist englisch – und App steht für...
E: [unterbricht] Ja. Alles klar. Nein.

001_3: zwei ca. 9 Jahre alte Jungen

J1: [nachdrücklich] Erdnussladen.
[normal] Das wichtigste der Welt.

001_4: zwei Frauen
F1: Und bei dir?
F2: Ja... ich habe ja Theater gespielt.
F1: Siehste!

001_5: Vater und Sohn, ca. 3 Jahre

V: Na gut, dann kannst du Astronaut werden. Und dann kannst du mich mal mitnehmen.

001_6: Mutter und Sohn, ca. 3 Jahre
S: Alle Bäume sehen kahl aus.
M: Ich finde, noch geht's.




Hannes Kater – Detail Tageszeichnung
Weitere Realerere Fälle:
Realerer Fall_27
Realerer Fall_26
Realerer Fall_25
Realerer Fall_24
Realerer Fall_23
Realerer Fall_22
Realerer Fall_21
Realerer Fall_20
Realerer Fall_19
Realerer Fall_18
[…]
27.11.2020
Realerer Fall_28

Realerer Fall_28 von Hannes Kater
Gestopfter Plastikbecher mit Serviette und sich abschälender Farbe, Berlin Prenzlauer Berg
Der durch die Umstände kaum zusammengepresste Deckel wird durch den Strohhalm, der durch ihn durch führt und im ziemlich zerquetschten, und deshalb kaum mehr sichtbaren, Plastikbecher darunter steckt, an Ort und Stelle gehalten

Die räumliche Situation verunklarend kommen noch eine grüne
Serviette, deren grün sich allerdings ordentlich mit dem des Plastikstrohhalms beist, und, gleich links daneben, die sich abschälende Farbe ins Spiel.

Zusammen bewirkte das, dass ich stehen blieb und mir das näher anschaute. Beim Fotografieren hatte ich einige Mühe, dass auch einzufangen... und schlussendlich ist es mir auch nicht gelungen: das Foto zeigt nur ein schwaches Bild von der für menschliche Augenen möglichen Seherfahrung.




Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Das kann ich rekonstruieren, weil bei der Packung noch ein Katalog der Modellbaufirma Noch aus dem Jahr 2008 dabei lag, deren Firmenlogo um Weihnachten herum hier im Weblog noch in einem eigenen Beitrag vorgestellt werden wird...
20.11.2020
Aufräumen VIII

LP 1793 - Lieblingspfeil Nr. 1793 von Hannes Kater
LP 1793 - Lieblingspfeil Nr. 1793 von Hannes Kater
Auf eBay Kleinanzeigen wird eine ähnliche Packung für VB 10€ angeboten...
Irgendwann 2008* habe ich diese Packung 593 - Verkehrszeichen Deutschland 1923-1950 / Epoche II, Spurgröße HO, hergestellt von der Firma Faller, erworben, weil sie in einem Schaufenster eines Ladens auftauchte, an dem ich nahezu täglich vorbei ging.

Historisch überraschend korrekt – und in Farbe! – lagen mir nun erstmals fast alle Varianten des Sperr-Pfeils-Verkehrszeichens vor... und ich wusste nun sicher, dass ich bei meiner Zeichnung von LP 0377 nach einer SW-Abbildung falsch spekuliert, bzw. mir einfach die Freiheit genommen, hatte, meine geliebte – und für Verkehrszeichen fürwahr ganz unwahrscheinliche – Rot-Blau-Kombination einzusetzen.



Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1793
Verkehrszeichen mit Pfeilen
+ Ergänzung und Korrektur von LP 0377


Erstaunlich spitz waren die Pfeile und dazu auf eine erstaunlich komplizierte Weise ausdifferenziert: die Verkehrsschilder, die den Verkehrsteilnehmern in den 1930er Jahren bestimmte Sperrungen einzelner Straßen für einige oder alle Verkehrsteilnehmer signalisierten.

Interessant ist aber vor allen Dingen, wie die jeweilige Information auf dem Pfeil sitzt. Ich würde die rot eingefassten Kreise als
Pfeilreiter bezeichnen, denn sie sitzen auf der Pfeilbahn wie ein Sozius auf einem Motorrad.



Die ersten Verkehrsschilder kamen im Deutschen Reich erst kurz vor dem 1. Weltkrieg zum Einsatz, systematisch aufgestellt wurden sie dann ab Mitte der 20er Jahre.

Die links zu sehenden Sperr-Pfeile waren schon vor 1934 in Gebrauch und wurden bis 1940 durch andere Schilder ersetzt. Eigentlich alle Verkehrszeichen, die von 1934 an offiziell zugelassen wurden, waren auch nach dem 2. Weltkrieg in der BRD noch in Gebrauch – ihr Design wurde erst in den 50er Jahren überarbeitet.


Die Punkte der Sperr-Zeichen beduten folgendes:
1 Punkt Gesperrt für Fahräder und Motorräder
2 Punkte Gesperrt für Kraftfahrzeuge, ausgenommen Motorräder
3 Punkte Gesperrt für Kraftfahrzeuge aller Art
4 Punkte Gesperrt für Kraftfahrzeuge über 5,5 t Gesamtgewicht
5 Punkte Gesperrt für Fahrzeuge aller Art
Außerdem gab es noch Schilder, bei denen, an Stelle der Punkte, Durchfahrt verboten eingeschrieben war.
Wenn anstelle der schwarzen Punkte Kreisringe eingesetzt wurden, galten die Angaben nur für bestimmte Zeiten.

Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Ocean's Thirteen ist ein Film von Regesseur Steven Soderbergh aus dem Jahr 2007
14.11.2020
Netflix

LP 1792 - Lieblingspfeil Nr. 1792 von Hannes Kater
LP 1792 - Lieblingspfeil Nr. 1792 von Hannes Kater
Werbung an einem Transporter der (eventuell fiktiven) Spedition Mexicali Deliveries in dem Film Ocean's Thirteen*
Es war ein Geburtstagsgeschenk für's Kind: Netflix.

Aber als ich dort in einem Film diesen schönen Fall von "verpfeilter Buchstabe" sah,
funktionierte die Screenshot-Funktion beim iPad nicht: ich erhielt bei all meinen Versuchen nur komplett schwarze Bilder.

Ich vermute, dass ist Absicht; irgendwas mit Urheberrecht, oder so. Also habe ich, ganz oldshool, den Bildschirm abfotografiert – und das Ergebniss nachbearbeitet und zurechtgeruckelt.




Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1792
Verpfeilter Buchstabe

Schönes Logo mit einem
"M" mit schön eingebauten Doppelpfeil, der allerdings auch eine gewisse Zweiteiigkeit, wenn nicht gar Zerrissenheit, dieses "M's" anzuzeigen scheint.

Etwas sinnvoller wäre so eine "m"-Verpfeilung, wenn sie für eine Firma zum Einsatz käme, deren Initialen A.M. wären. Und bei einer kurzen Internetrecherche konnte ich keine Firma mit dem Namen "Mexicali Deliveries" finden... ob die für den Film sozusagen erfunden wurde, kann ich nicht einschätzen.


Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Die faschistische Pfeilkreuz-
lerpartei existierte von 1939 bis 1944/45 in Ungarn und hatte ein grünes Pfeilkreuz auf weißem Grund als Logo. Das Pfeilkreuz-Symbol war das ungarische Equivalent zum deutschen Hakenkreuz-Symbol – auch weil der Gebrauch des Hakenkreuzes in Ungarn für Parteien seit 1933 verboten war.

10.11.2020
Lieblingspfeile

LP 1791 - Lieblingspfeil Nr. 1791 von Hannes Kater
Fahrgast mit Strickjacke mit rückwärtigem Pfeilkreuz
Lieblingspfeil Nr. 1791
Pfeilkreuz

Dieses gelbe
Pfeilkreuz sitzt sehr eng und mit so wenig Umraum rückwärtig auf einer Strickjacke, dass es deshalb deutlich an Zeigewirkung verliert.
Zu einer Verringerung der Zeigewirkung tragen auch die gelben Streifen auf den Ärmeln und im Schulterbereich über dem Pfeilkreuz bei, die die imaginäre Fortsetung der Pfeilbahnen behindern....

So bleibt ein
zwiespältiger Eindruck: irgendwas zwischen großkotzig und ornamentalem Pfeileinsatz.

#

Das klassische Pfeilkreuz, wie es auch die faschistischen Pfeilkreuzler aus Ungarn* als Logo nutzten, besteht aus einem senkrechten und einem waagerechten Doppelpfeil, die sich mittig so kreuzen, dass ein gleichschenkliges Kreuz – alle Kreuzarme, als Pfeilbahnen mit Pfeilspitze, sind gleich lang – entsteht.

Pfeilkreuze, deren Doppelpfeile sich diagonal kreuzen, sind sehr viel seltener... und die häufigste Variante dieser Form ist eigentlich gar kein richtiges Pfeilkreuz, weil es von zwei sich diagonal und mittig kreuzenden Waffenpfeilen gebildet wird.


Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Das ist der Bildtitel eines Bildes des bekennenden Legasthenikers Martin Kippenberger aus dem Jahr 1994 – und einer der seltenen Fälle, wo der Bildtitel deutlich bekannter geworden ist, als das mit bititelte Bild: großartig
Beispiel für 4 Pfeile, die nicht selbstbezüglich, also auf ihr Umfeld rekurrierend, auf einen zentralen Punkt verweisen
08.11.2020
Ich kann beim besten Willen kein...

LP 1790 - Lieblingspfeil Nr. 1790 von Hannes Kater
In diese Tüte verpackt lagen irgendwelche Extra-Kabel einem DVD-Brenner bei...
... Hakenkreuz erkennen*



Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1790
Invertiertes Pfeilkreuz

Dieses
nicht-expansive Pfeilkreuz auf der Verpackung eines Verbindungskabels könnte ein Hinweis auf einen (angestrebten) geschlossenen Recyling-Kreislauf von Irgendetwas sein, schließlich scheint es auch bei den 3 Pfeilen darüber um etwas...




Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Nachtrag: inzwischen habe ich "Schiefhalslagerung" gegooglet und gelernt, dass Säuglinge unter einem kongenitalen, also bereits bei der Geburt vorhandenen, Schiefhals leiden können.
Und mittlerweile meine ich mich erinnern zu können, dass ich den Zettel auf der Straße gefunden habe...
02.11.2020
Aufräumen VII

LP 1789 - Lieblingspfeil Nr. 1789 von Hannes Kater
 Anleitung für die Schiefhalslagerung...
Lieblingspfeile
Lieblingspfeil Nr. 1789
Verklumpende Pfeilspitzen

Dieser Zettel mit sich
verklumpenden Pfeilspitzen lag ganz unten in einer Kiste, die wiederum ganz unten in einem Kistenstapel stand... ich glaube nicht, dass die auf dem Zettel festgehaltende Information sachlich mir galt*, aber ich habe auch keine Erinnerung daran, wie diese, doch recht schlichte, Anleitung für eine Schiefhalslagerung in meinen Besitz gekommen ist.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Die seh...-
01.11.2020
Aufräumen VI

Hannes Kater -  Variation von "Ceci n'est pas une pipe"
Hannes Kater - Blatt mit Variation von "Ceci n'est pas une pipe"
Öl-Pastel auf Fotokopie (oben ein Detail, unten die ganze Seite) von "Ceci n'est pas une pipe" von René Magritte, 1997
Hatte ich total vergessen: diese von mir überarbeitete Fotokopie, die mal im Zusammenhang für ein von mir als Tutor mitbetreutes Seminar bei den Kunstpädagogen an der HBK Braunschweig entstanden ist. Irgendwas mit Text und Schrift in Bildern war Seminar-Thema, vermute ich... ich kann mich nicht mehr erinnern.

Und natürlich haben die Studierenden eine unbearbeitete Kopie – oder Kopiervorlage? – zur Verfügung gestellt bekommen.
(Und immer wieder bin ich erstaunt, wie sehr das normale Kopierpapier vergilbt, obwohl es keinerlei Licht ausgesetzt war.)




Meine ursprünglich seit August 2018 auf Instagram als lockere Reihe geposteten Beiträge zum Thema "
Der Verrat der Bilder und die Folgen" sind seit einiger Zeit als Prohekt 62 hier online zu finden.




Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Annelie Pohlen hatte ich im Vorfeld meiner im September 2004 im Bonner Kunstverein eröffneten Ausstellung "Vom wahren Zeichnen im falschen" kennengelernt – vermutlich haben wir da über den Werner Hartmann gesprochen.
Mehr zur Ausstellung hier.
Mehr zu Hartmann hier.
**  Zu Beschwörungszeichen, bzw. Beschwörungszeichnungen, siehe auch: prüfungsbegeleitende Zeichnungen
30.10.2020
Aufräumen V

Annelie Pohlen - Blatt mit Text über Werner Hartmann
"In Bildern schreiben" – Fotokopie eines Zeitungsartikels von Annelie Pohlen über eine Ausstellung von Werner Hartmann in der Galerie Steinmetz 1984
Beim Aufräumen stieß ich auf einen Text von Annelie Pohlen über Werner Hartmann, den sie mir höchstwahrscheinlich 2004 gegeben hat – und der, bevor ich ihn einarbeiten konnte, in der Sammelkiste mit Material zu meiner Ausstellung im Bonner Kunstverein* landete und in Vergessenheit geriet...

Ich denke mal, ich hatte Pohlen von meinem Interesse an Hartmann erzählt, oder aber sie hatte den "großen Text" über meine Arbeit bei mir auf der Website [Link] gelesen, der wesentlich mal für eine Seminararbeit bei Prof. Hannes Böhringer 1998 an der HBK Braunschweig entstanden ist.


Einige Zitate aus dem Text:
Werner Hartmann […] zeigt in der Galerie Steinmetz Werke, die mit der Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bilderschrift zu tun haben. Nicht wissenschaftliche Aneignung vorhistorischer Güter, sondern subjektive Findung eines eigenen Mitteilungskanons sind Hintergrund und Intention seiner Arbeit. […]

Werner Hartmann [schreibt] in kleinen „Schritten" wie aus einem Guß seine Bildzeichen nieder. Aus der Ferne bietet sich dem Gegenüber eine ruhige, regelmäßige Bildstruktur. Aus der Nähe betrachtet entziffert man winzige Bildzeichen, in ihrer reduzierten Form den archaischen Bildschriftzeichen durchaus verwandt sind, […] Zeichen, die wir abstrakt nennen könnten und die deutlich einen Zusammenhang mit
„primitiven" Beschwörungszeichen** zu vorwissenschaftlichen [Erklärungsmodellen] des Lebens aufweisen.

Im Mittelpunkt steht das künstlerische
Subjekt, […] das Mitteilung sucht, sich den abgenutzten Mitteln der Kommuniktion aber widersetzt.


Pohlen formuliert aber auch eine
Kritik:
Indem diese [von Werner Hartmann entwickelte zeichnerische] Mitteilungsform an vorabendländische Kulturen anknüpft, indem sie auch materiell den Charakter der Vergangenheit [Pohlen meint damit u.a. die Tücher und Holz- und Schiefertafeln, die Hartmann als Zeichengrund wählt] annimmt, unterstreicht der Künstler den Beschwörungscharakter, die Dringlichkeit der Botschaft. […] Es herrscht eine
Atmosphäre des Reliquienhaften, des Vergangenen, des Handwerklichen, gegen die der Geist der subjektive Bildzeichenwelt nicht ankommt.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
WeitereKunstpfeile:
28.10.2020 – Kunstpfeil_58
18.09.2020 – Kunstpfeil_57
12.03.2020 – Kunstpfeil_56
[...]
Aus: Anna Oppermann – Pathosgeste, Edition Lebeer Hossmann Hamburg und Brüssel, 1987
29.10.2020
Kunstpfeil_59

Kunstpfeil_xx - Pfeilsammlung von Hannes Kater
Osías Yanov und Sirenes Errantes, Detail

Osías Yanov und Sirenes Errantes



Salz als Bindemittel sozialer Alchemie


Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
WeitereKunstpfeile:
18.09.2020 – Kunstpfeil_57
12.03.2020 – Kunstpfeil_56
27.02.2020 – Kunstpfeil_55
20.06.2019 – Kunstpfeil_54
25.02.2019 – Kunstpfeil_53
31.01.2019 – Kunstpfeil_52
23.11.2018 – Kunstpfeil_51
06.06.2018 – Kunstpfeil_50
12.01.2018 – Kunstpfeil_49
11.10.2017 – Kunstpfeil_48
30.06.2017 – Kunstpfeil_47
[...]
... die natürlich eine Hommage an Otto Neuraths Arbeiten (Wiener Methode der Bildstatistik) aus den 1930er Jahren sind, schließlich ging es um das Thema "Arbeiten" und um "Wofür arbeiten wir, wenn nicht für Geld?"
28.10.2020
Aufräumen IV
Werbekarte für die Manifesta in Zürch 2017 - bezeichnet von Hannes Kater
Eine von mir, während eines Ausstellungsbesuchs im Migros-Museum in Zürich nötigen Pause (... war mit Freundin und Kind unterwegs), bezeichnete Werbepostkarte der Manifesta 11
Kunstpfeil_58

Nach einigem Zögern habe ich die von mir eher beiläufig bezeichnete Werbekarte – es gab einige unterschiedliche Motive – für die
Manifesta 11 im Sommer 2016 in Züirch unter die Rubrik Kunstpfeile eingeordnet... aber hier scheint sie mir besser aufgehoben, als in der Rubrik Lieblingspfeile.

Ruedi Baur (Studio Intégral Ruedi Baur) hat den visuellen Auftritt, also die Corporate Identity, der vom Kurator Christian Jankowski unter dem Titel What People Do For Money: Some Joint Ventures verantworteten Manifesta 11 und die überall eingesetzten Bildpiktogramme
* entworfen.

Eigentlich wollte ich noch ein paar Kunstvermittlungskarten – so hießen die offiziell – mitnehmen, um später konzentrierter weitere, eventuell dann bessere, Versionen zu zeichnen und noch etwas rumzuprobieren, habe dass dann aber vergessen... (Erschöpfung, quengelndes Kind, Hunger...)



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
2020-10-21, Deutschlandfunk
27.10.2020
Aufräumen III

In den Bücherstapeln neben dem Bett ganz nach unten gewandert und nun wieder geborgen: Peter Handkes Geschichte des Bleistifts. Auch jetzt lese ich Abends gerne wieder ein paar Einträge und stieß dabei auf einen, den ich vor Jahren markiert hatte – und der nun ganz gut zu den Erfahrungen passt, die ich in meinem VHS-Wir-gucken-Ausstellungen-in-Galerien-Kurs mache:

Alle machten sich, der Reihe nach, über ein
Kunstwerk lustig, verhöhnten es, taten es ab. Dann sagte einer: "Ich mag es aber!", und auf einmal bekannten die anderen, es im Grunde auch zu mögen (spiel dieses Spiel)


Tony Craig in einem Radiogespräch
*:
Es gibt keine Form, die keinen Inhalt hat – und es gibt keinen Inhalt, der keine Form hat.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Die Anzeige ist erschienen in:
De Witte Raaf, nr 76 - november-december 1998

26.10.2020
Aufräumen II

Hannes Kater - handdrawn based computergraphics
Autorenzeile: Hannes Kater, Flieger, handdrawn based computergraphic, size variable, 1998
Meine, in einer Werbeanzeige* für die Ateliers Arnhem benutzte, Grafik mochte ich immer sehr...
Jetzt habe ich beim Aufräumen ein vergilbtes Belegexemplar der auf Tageszeitungspapier gedruckten Kunstzeitung wieder gefunden...

Die Zeichnung mit dem Titel Flieger stammt aus einer Serie von
handdrawn based computergrahics aus dem Jahr 1998 – und so richtig ausgedruckt und in Mappen abgelegt wurden diese Arbeiten leider nie. Und da die Dateien inzwischen auch verloren gegangen sind, ist diese Abbildung so mit der einzige Beleg für die ganze Werkgruppe.


Der Werbetext in der Anzeige:

Voorgezette Opleiding
Vrije Kunst

Van de Hogeschool voor de Kunsten Arnhem
Per jaar worden maximaal 12 studenten toegeladen op basis van voorgelegd werk.
Aanname gedurende het hele studiejaar.
Voor elke student staat een atelier ter beschikking.


25.10.2020
Herbst III + IV

LP 1788 - Lieblingspfeil Nr. 1788 von Hannes Kater Es wird wieder früher dunkel und die Spaziergänge bringen wegen der oft schlechteren Lichtverhältnisse weniger Fotoertrag. Dazu kommt, dass in diesen Corona-Zeiten deutlich weniger Graffiti entstehen...



Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1788
Pfeil mit halber Pfeilspitze

Dieser
Pfeil mit halber Pfeilspitze und wellenförmiger Pfeilbahn scheint nicht viel mehr zu wollen, als ungefähr auf einen Punkt kurz vor sich zu zeigen oder eben einfach nur etwas freie Fläche auf einem Verteilerkasten in Berlin, Prenzlauer Berg, füllen zu.

Aber
weil Pfeile mit einer echten halben Pfeilspitze so selten sind, also mit Pfeilspitzen, die nicht durch widrige Entstehungsumstände, etwa Störung/Unterbrechung bei der Anbringung des Pfeils, nur zu einer halben Pfeilspitze gekommen sind, oder deren Pfeilspitze nachträglich beschädigt und so zu einer halben wurde, kommt der Pfeil natürlich ins Weblog.





Das Foto unten könnte als
Bühnenbildentwurf für eines der hoffentlich demnächst uraufgeführten Theaterstücke über Menschen in der Corona-Pandemie dienen.

... aber, das ich mir auch nur eines dieser Corona-Stücke im Theater dann anschauen werde: unwahrscheinlich.



Lustige Challenge für aktuell unterbeschäftigte Theaterkritiker: produziert jetzt schon die erwartbaren Texte über die Aktualität (ja/nein) und Notwendigkeit (ja/nein) und ... (ja/nein) des Theaters, incl. Besprechungen der wahrscheinlichen Ausformungen des Corona-Themas – Vereinsamung, Sinnlosigkeit, Entfremdung, Solidarität, Aufbruch... mit dem dann entsprechend viel oder wenig Gerede und Gerenne auf der Bühne – und lasst das Entstehungsdatum dieser Texte sofort notariell beglaubigen, um sie später dann, scheinbar tagesaktuell, in den üblichen Tageszeitungen und Foren unter zu bringen...
Gewonnen hat, dessen/deren Texte niemandem als vorproduziert auffallen.

(Natürlich sind im Vorfeld Platzhalter für die Namen der Schauspieler:innen usw. erlaubt, dicke Extrapunkte gibt es für richtige geratene Stücktitel.)



Oben: Pfeil mit halber Pfeilspitze mit wellenförmiger Pfeilbahn. Unten: ausgesetztes Sofa (aka illegaler Sperrmüll) vor Wand mit Liniengraffiti.
Hannes Kater: ausgesetztes Sofa
24.10.2020
Herbst II

Hannes Kater: Herbstliche Impression mit #GünterFruhtrunk und #Aldi-Nord-Plastiktüte und #LarsEidinger.

Das im Jahr 1970 entstandene Design der Aldi-Tüte
war bei weitem die bekannteste Arbeit von
Fruhtrunk, kam sie doch millionenfach zum Einsatz. Irgendwann 2018 wurde die gemeine Plastiktüte durch Beutel aus anderen Materialien ersetzt, die dann auch ein anderes Design bekamen.

Aber hier auf den Fotos sehen wir die immer noch eingesetzten Kühl-Tüten...





Herbstfarben... und eine nach rechts abfallende Reihung: melancholische Impressionen aus Berlin
Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Titel der Tafel:
Magna mater, Kybele. Beraubte Mutter. (Niobe, Flucht und Schrecken). Vernichtende Mutter. Rasende (beleidigte) Frau. (Mänade, Orpheus, Pentheus).
**  Urmutter (Cybele); betrogene Mutter (Niobe); vernichtende Mutter (Medea); wütende Frau (Maenad); fliehende Frau (Proserpina, Myrrhe); trauernde Figur (Alcesti, Protesilao, Meleagro).
Typen von antiken Vorformungen nannte Warburg das ...
23.10.2020
Aby Warburg

Niobe von Tafel 5 des Mnemosyne Atlas von Aby Warburg
Foto von Foto von Tochter der Niobe, sog. Psyche, aus der Skulpturengruppe der Niobiden, Marmor, römische Kopie nach griechischem Original, 4.-1. Jahrhundert v. Chr., Florenz, Uffizien
Waren heute mit Online Tickets mit "ausgewiesener Einlasszeit", also einem Timeslot, im Haus der Kulturen der Welt, um die Ausstellung von Aby Warburgs Mnemosyne Atlas zu sehen: schön.

Anschließend war ich noch in Berliner Galerien unterwegs, um die Route für den nächsten Termin mit meinem VHS-Kurs auszutüfeln und zu recherchieren – und was soll ich sagen: mit der Dichte des Atlas konnte keine einzige Galerie-Show auch nur ansatzweise mithalten...



Die Abbildung links ist ein Foto von den insgesamt 27 auf der 5. Tafel
* des Atlas präsentierten und angeordneten Fotos: alles Beipiele aus dem Repertoire der Pathosspuren (u.a. Panik, Abwehr, Wut, Verzweiflung), die in die Bildnisse der weiblichen Figuren des Mythos eingegangen und aufgehoben sind.**

Warburgs Methode der Organisation und Darbietung von vielen Varianten einzelner Motive auf einer Reihe von Bildtafeln – also das Arrangieren und Kombinieren des Ausgangsmaterieals nach Kriterien von Ähnlichkeit und Verwandtschaft – , hilft nicht nur, Zusammenhänge zwischen den einzelnen Ausführungen eines Bildmotivs, sichtbar zu machen, sondern
generiert und (kon-)figuriert auch neue Bezüge und Verwandtschaften.




20.10.2020
Herbstliches Ambiente im Studio

Hannes Kater: 3D Modell der Station Bild/Text/Technobild – A Theory in Action für Universalienforschung Vor ein paar Tagen hatte ich beim Gang zum Atelier einige Blätter aufgesammelt und mitgenommen – und dies in erster Linie, um mich, nah am Arbeitsplatz platziert, daran zu erinnern, dass ich die spezifische und wiedererkennbare Form von Blättern einiger Baumsorten bis jetzt nicht eingesetzt habe in meinen Zeichnungen... und ob ich da nicht mal was probieren... worauf man eben so kommt, wenn die Straßen voller Herbstlaub sind.


#

Sinngemäß hat neulich jemand im Radio erzählt, dass
Corona-Virus sei zu klein, um farbig sein zu können – es gäbe nicht genug Masse/Materie [?], um eine Farbinformation damit zu verknüpfen.

Stimmt das?
Siehe auch mein Beitrag über 3D-Modelle vom Coronavirus vom 18.04.2020






Keine Coronaviren, sondern einige, deutlich größere, Krebszellen... so neulich aus dem Altpapier gezogen, denn seit ich wirklich mit Zeichenfedern arbeite, verbrauche ich deutlich mehr Taschentücher und Schmutzpapier.
Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
c
10.10.2020
Graffiti auf Mobilien

Hannes Kater - Mit Graffiti besprühter LKW, fotografiert in Berlin, Wedding
Hannes Kater - Mit Graffiti besprühter LKW, fotografiert in Berlin, Wedding
Ein LKW und ein Transporter, beide mit Graffiti und abgestellt in Berlin, Wedding
Ich staune immer wieder, wie selten private PKW mit Graffiti versehen werden, nämlich eigentlich nie.
Ob das am Respekt vor privatem Eigentum liegt? Oder daran, dass sich kaum einer ein Mietshaus in Berlin, aber eben doch beachtlich viele einen PKW leisten können, es also darum geht, die Reichen abzustrafen?

Wohl kaum... ich glaube, die potentiellen Sprüher haben Angst vor der Wut der Autobesitzer, falls sie erwischt werden sollten. Sie müssten damit rechnen, umstandslos verprügelt zu werden.


Auch selten, aber ab und an doch zu finden:
mit Graffiti besprühte LKWs und Transporter, deren Graffitis man sicher ansieht, dass es sich nicht um Auftragswerke handelt. Aber auch hier gilt: je teurer und neuer die Fahrzeuge sind, desto seltener sind sie betroffen. Ich habe noch nie eine mit wildem Graffiti versehene Zugmaschiene gesehen.



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Die Bitch Bibel. Johanna Völkel und Katrin Vogelovà, München 2020
27.09.2020
Cashback Bitch mit Corona radiata

Hannes Kater - "Die Bitch Bibel" mit Autoreifenwerbung und Corona radiata
Hannes Kater - "Cashhback Bitch Bibel" mit Corona radiata
Außenwerbung in Berlin Weißensee (oben) und Details der Motive
Zwei große Plakate auf offiziellen Plakatierungsflächen an einer Grundstücksmauer in Berlin Weißensee: das linke wirbt für Autoreifen, dass rechte für eine Publikation*, die sich die Rapperin Krasavice von Johanna Völkel hat ghostwriten lassen und in der das Konzept einer authentischen Künstlichkeit vorgestellt wird, wenn ich das wenige, das ich über das Buch gelesen habe, richtig verstehe. Scheint mir durchaus zeitgemäß, also kein ganz schlechter Ansatz.


Was mich aber wirklich interessiert hat, ist die hier in beiden Bildmotiven zum Einsatz kommende
Corona radiata, eine Leucht- oder Lichterscheinung, auch als Strahlenkranz auftretend, um den Kopf oder den ganzen Körper, bzw. Gegenstand, die in vielen Kulturen zum Einsatz kommt, wenn es gilt, einen besonderen Menschen oder Gegenstand richtig ins Bild zu setzen und den Menschen, bzw. Gegenstand, als außergewöhnlich auszuweisen.

Lustig: während man beim Motiv mit der Rapperin von Ironie und einem bewusst übertriebenen Zitat (authentische Künstlichkeit) ausgehen kann, wirkt der Einsatz der Corona um den beworbenen Reifen ernst gemeint.



Die Corona ist eine Unterform des Nimbus, bzw. der Gloriole, deren bekannteste Form wohl der Heiligenschein ist.

Ein ausführlicher Beitrag von mir zum Thema Nimbus findet sich hier: Experimentelles Zeichnen_Nachtrag zu ExZen_01


Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung aus der 16. KW 2020 auf Instagram
 
22.09.2020
Lieblingspfeile

LP 1787 - Lieblingspfeil Nr. 1787 von Hannes Kater
LP 1787 - Lieblingspfeil Nr. 1787 von Hannes Kater
WHinweisschilder auf eine Zahnarztpraxis in Berlin, Prenzlauer Berg
Lieblingspfeil Nr. 1787
Verblassende Pfeilspitze

Es scheint so, als sollt hier die Pfeilspitze mit den immer dichter auftretenden senkrechten Linien, die durch sie hindruchführen,
ausgefaded werden – was eigentlich so sonst nie gemacht wird, weil es die Zeigewirkung schwächt.

Ob es damit zu tun hat, dass der Pfeil auf einen Ort verweist, zu dem man
hin muss, aber nicht will?
(Nicht umsonst gibt es auch über einem der Pfeile in Richtung
Zahnarztpraxis den Hinweis: auf eigene Gefahr!)



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung aus der 16. KW 2020 auf Instagram
Aus Nelson Godman: Languages of Art. An Approach to a Theory of Symbols. 1976
**  Nach: Wittgenstein und der Wiener Kreis. Werkausgabe Band 3. Gespräche, aufgezeichnet von Friedrich Waismann. Erste Auflage 1984, Suhrkamp Verlag Berlin, Seite 78 ff und Seite 239 ff
Ältere Einträge ExZen:
Experimentelles Zeichnen_21
Experimentelles Zeichnen_20
Experimentelles Zeichnen_19
Experimentelles Zeichnen_18
Experimentelles Zeichnen_17
Experimentelles Zeichnen_16
Experimentelles Zeichnen_15+
Experimentelles Zeichnen_15
Experimentelles Zeichnen_14
Experimentelles Zeichnen_13
[…]
21.09.2020
Experimentelles Zeichnen_21_1

Bei Nelson Godman findet sich folgendes:

"
Bezugnahme auf einen Gegenstand ist eine notwendige Bedingung für seine Abbildung oder Beschreibung, aber kein Grad von Ähnlichkeit ist eine notwendige oder hinreichende Bedingung für beide. […]

Sowohl Abbildung als auch Beschreibung sind an der Formung und Charakterisierung der Welt beteiligt; und sie interagieren miteinander wie auch mit der Wahrnehmung und dem Wissen. […]

Die Wahl unter Abbildungs- und Beschreibungssystemen ist frei; wenn aber ein System vorliegt, dann ... […]" sollte man das gefälligst konsistent verwenden.
*



Ludwig
Wittgenstein formulierte deutlich früher:

Was das Bild, auch wenn es unrichtig ist, mit dem Abgebildeten gemein haben muss, ist die Form, d. i. die Möglichkeit der Struktur.

Das wahre Bild hat mit dem Abgebildeten auch noch die Struktur gemein.

Das Bild kann alles abbilden, dessen Form es hat; etwas anderes aber kann es nicht abbilden.

Eie Landkarte, die Notenschrift, die Fieberkurve bilden die Wirklichkeit ab; aber sie kommen
ohne Syntax aus.
Unsere Umgangssprachen besitzen eine Syntax. Die Syntax besteht aus Regeln, die angeben, in welchen Verbindungen ein Wort einzig und allein einen Sinn ergibt.
Durch die Syntax wird die Bildung unsinniger Wort-Verbindungen ausgeschlossen.


Wittgenstein versucht den Unterschied so zu erklären:

Die Landkarte kann die Wirklichkeit wahr oder falsch abbilden, aber nie unsinnig. Alles, was die Karte darstellt, ist möglich.

Dagegen kann die Beschreibung durch die Wortsprache unsinnig sein. Ich kann z. B. sagen: »A liegt nördlich von B und B liegt nördlich von A«. Ein solcher Satz teilt nichts mit, da er nicht die Form der Tatsache besitzt, die er darstellen soll.




Die Syntax hängt also mit der Möglichkeit des Unsinns zusammen. (»Unsinn« ist nicht der Gegensatz zu »Sinn«. Man kann wohl sagen: Der Satz drückt einen Sinn aus, aber nicht: Der Satz drückt einen Unsinn aus. Unsinnig ist die Verwendung der Zeichen.)**

Wittgenstein hat, so scheint mir,
eine einseitige Vorstellung sowohl von Worten, als auch von bildnerischen Möglichkeiten: absichtsvoll scheinbar unsinnig eingesetzte Worte um "Unsinn" zu formulieren sind genau so möglich, wie "falsch" eingesetzte und / oder verknüpfte Bildelemente, bzw. Symbole: konventionellstes Beispiel sind natürlich die Surrealisten.


Wittgenstein:
Die Syntax wird also dort nötig, wo die Natur der Zeichen der Natur der Dinge noch nicht angepasst ist; wo es mehr Zeichenverbindungen gibt als mögliche Sachlagen. Diese übergroße Mannigfaltigkeit [der Sprache] muss eingeengt werden durch künstliche Regeln, und diese Regeln sind die Syntax [der Sprache].

Die Regeln der Syntax geben den Zeichenverbindungen gerade die Multiplizität, die sie besitzen müssen, um ein Abbild der Wirklichkeit zu sein.

Man könnte sagen:
Ein Zeichensystem, das seinem Zweck vollkommen angepasst ist, macht die Syntax überflüssig. Und umgekehrt: Die Syntax macht ein solches Zeichensystem überflüssig. Das eine vertritt das andere.

Das die Form des Zeichensystems die Syntax vertreten kann, ist wichtig, denn es zeigt uns, dass die Regeln der Syntax nichts beschreiben.

Man braucht nicht erst eine »ideale Sprache« zu erfinden, um die Wirklichkeit abzubilden. Unsere Umgangssprache ist schon ein logisches Bild, sobald man nur weiß, wie ein jedes Wort bezeichnet.

Es kommt nur darauf an, die Regeln der Syntax in ein System zu bringen.

Die Regeln der Syntax sind Zeichenregeln.

Der Unterschied zwischen einer Zeichenregel und einer Aussage ist der; Im Satz stehen die Zeichen für die Dinge. Der Satz spricht mittels der Zeichen — durch sie hindurch — von der Wirklichkeit. Er stellt sie dar.

Die Zeichenregel dagegen handelt von den Zeichen selbst. Die Zeichen vertreten die Dinge nicht. Deshalb entwirft die Zeichenregel kein Bild der Wirklichkeit: Sie ist weder wahr noch falsch.

Die Zeichen, die im Satz auftreten, sind sozusagen »transparent«; in der Zeichenregel sind sie es nicht.

Die Zeichenregel ist eine Festsetzung über den Gebrauch der Zeichen. Sie wird daher Bedeutung haben nur innerhalb der verwendeten Notation.


Auf den ersten Blick sieht eine Zeichenregel so aus wie ein Satz. (Sie wird daher häufig mit einem solchen verwechselt.)

Sage ich z. B., dass eine Stelle des Gesichtsfeldes nicht zwei Farben zu gleicher Zeit haben kann, so gebe ich damit eine Regel der Syntax an und nicht eine Induktion. Denn der Satz lautet nicht: »Ein Punkt hat nie zwei Farben zu gleicher Zeit«, sondern: »Ein Punkt kann nicht zu gleicher Zeit zwei Farben haben«. Hier bedeutet das Wort »kann« die logische Möglichkeit, deren Ausdruck nicht ein Satz, sondern eine Regel der Syntax ist. (Die Regel begrenzt die Form der Beschreibung.)

Sehr klar wird dies, wenn wir uns das Gesichtsfeld nicht mit Worten, sondern mit einem mathematischen Symbolismus beschrieben denken, indem wir z. B. den Farbparameter als Funktion des Ortsparameters (und der Zeit) darstellen. Es wird dann schon durch die Form der Beschreibung zum Ausdruck gebracht, dass ein Punkt zu gegebener Zeit nur eine Farbe haben kann.

Um unserer gewöhnlichen Sprache die Multiplizität der mathematischen zu geben, brauchen wir ihr nur die Regel hinzuzufügen: Sätze, welche einem Punkt zu gleicher Zeit verschiedene Farben zuschreiben, sind auszuschließen.

Dies macht deutlich, wie wir entscheiden können, ob ein Satz der Umgangssprache eine Aussage oder eine Zeichenregel bedeutet: Wir sehen nach, ob wir den Satz durch Übersetzung in eine Sprache von geeigneter Multiplizität zum Verschwinden bringen können. Verschwindet er, so ist er eine Zeichenregel; denn er hängt dann nur von der Notation ab, und diese ist willkürlich.
Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Aus: Mülheim - Texas. Helge Schneider hier und dort. Buch und Regie: Andrea Roggon, Minute 35:58
**  Siehe oben, Minute 01:11:00
20.09.2020
Helge und Jean-Luc

Bearbeiteter Screenshot aus Chambre 666 von Wim Wenders mit Jean-Luc Godard
Jean-Luc Godard in: Chambre 666 von Wim Wenders, 1982
Auch gut und richtig, aber, obwohl Godard zugeschrieben, wohl von André Bazin: „Das Kino unterlegt unseren Blicken eine Welt, die mit unseren Wünschen übereinstimmt“.

#

„Ich mag es, nach Richtlinien, nach
strengsten Richtlinien, zu musizieren - und innerhalb dieser Grenzen, dieser Richtlinien, auszubrechen... aber immer wieder zurück zu kommen, denn sonst kann ich ja nicht mehr ausbrechen. Denn wenn ich einmal aus diesem Gefängnis herausgebrochen bin, dann bin ich nicht mehr frei, bin ich allein. Ich bin, wenn man so will, ein Draufgänger.“*
[…]

„Improvisieren heißt ständig neu erfinden... Man muss die Plattform der Sicherheit verlassen... runterspringen.
In’s Nichts.
Ich akzeptiere auch
unsicher zu sein. Ich arbeite in der Gefahr.“**



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Neu bebaut wird das ehemalige Robben & Wientjes Gelände (Berliner Autovermietung) in der Prenzlauer Allee... noch ist kein Bauschild aufgestellt-
19.09.2020
Lieblingspfeile

LP 1786 - Lieblingspfeil Nr. 1786 von Hannes Kater
Logo an einem LKW, fotografiert auf einer Baustelle an der Prenzlauer Allee in Berlin
Lieblingspfeile Nr. 1786
Doppelpfeil

Ein für ein Transportunternehmen eher ungewöhnlicher Doppelpfeil, der vielleicht auf die Möglichkeit des Recyclings verweisen soll: bei der aktuell größten Baugrube
* in der Nachbarschaft fahren etliche LKWs gerade riesige Mengen Aushub ab, von denen etliche dieses, eher auf Recycling als auf ein Hin und Her verweisendes, Doppelpfeil-Logo haben...



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
WeitereKunstpfeile:
12.03.2020 – Kunstpfeil_56
27.02.2020 – Kunstpfeil_55
20.06.2019 – Kunstpfeil_54
25.02.2019 – Kunstpfeil_53
31.01.2019 – Kunstpfeil_52
23.11.2018 – Kunstpfeil_51
06.06.2018 – Kunstpfeil_50
12.01.2018 – Kunstpfeil_49
11.10.2017 – Kunstpfeil_48
30.06.2017 – Kunstpfeil_47
[...]
Eine gemichte, also für Frauen und Männer offene, Badeanstalt am Zürichsee. (Es gibt in Zürich auch reine Frauen- und Männer-Badis)
18.09.2020
Kunstpfeil_57

LP 1784 - Lieblingspfeil Nr. 1784, eingereicht von Bettina Brach
Kunstpfeil_57 - eine Arbeit von Werner Hartmann in der Pfeilesammlung von Hannes Kater
Aus dem Nachlaß meiner letzten Dezember in Zürich verstorbenen Tante Carin Düne erbte ich diese schöne Arbeit von Werner Hartmann
Meine in Zürich lebende Tante bat mich immer darum, sie darüber auf dem laufenden zu halten, was ich so treibe. Sogar meine Haus- und Seminararbeiten sollte ich ihr schicken... und sie hat sie dann tatsächlich gelesen!

Einmal hatte ich auch etwas über einen
Werner Hartmann geschrieben – das war der einzige Künstler, den ich 1998 unter der Stichwort-Sammlung "Hieroglyphen, Bildzeichen, Zeichensprache, Symbolsprache und Bildsprache" im Netz (1998) gefunden hatte, als ich für meine Seminararbeit zu diesem Themenkomplex recherchierte.

Als wir das ächste Mal telefonierten, erzählte sie mir von Hartmann (1945 - 1993):
Ach, der Werni... der war früher Mittags oft in der Badi
Utoquai* und verkaufte seine eben entstandenen Zeichnungen an Touristen... vor allem an Asiaten... das lief ganz gut. Allerdings hatte er auch sehr niedrige Preise. Für den nächsten Rotwein hat es dann immer gereicht.


Nach 1980 wurden Werner Hartmanns Arbeiten immer skripturaler und die von ihm bearbeiteten Formate extremer, die nun entstehenden Hoch- und Längsformate wecken Assoziationen an fernöstliche Gebetsfahnen. Die nicht auf Rahmen gespannten, fahnenartigen, Leinentücher wurden neben Papier, Schiefer und Holz zu den bevorzugten Trägern seiner Zeichnungen, auf denen sich die meist mit schwarzer Tusche ausgeführten Notations-Zeichen annähernd wie Schriftzeichen, aber nicht immer wie diese ordentlich in Reihen oder Spalten organisiert, scheinbar ohne aufeinander Bezug zu nehmen, stehen.

Hartmann erweiterte und variierte sein Zeichen-Repertoire ständig – und ließ sich dabei durchaus auch von Schriften vergangener Kulturen inspirieren. Er setzte in seinen Zeichen-Feldern aber nur die Zeichen ein, die sich in gut eingemeindeten und nicht herausstachen.

Hartmanns Zeichen wirken bewußt gesetzt, kalkuliert und kontroliert – und muten weder tachistisch an, noch vermitteln sie den Eindruck, dass die Formfindung der Zeichen sei beliebig sei. Wiedererkennbare Zeichen tauchen mit einen hohen Formen-Stabilität immer wieder auf – und Hartmann legt es offensichtlich darauf an, dass beim Betrachter der Eindruck entsteht, es mit einer systematischen Notation nach festgelegten Regelnzu tun zu haben, obwohl man diese Notation nicht entziffern kann. Und sich auch ziemlich sicher ist, dass man das auch nie können wird.


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Schwierige Formulierungen:
- [Hartmann hat] ein Runen-Alphabet geschaffen
- [Hartmann ist] ein Hieroglyphenkünstler
- [Hartmann ist] ein Märchenkalligraph
- [Hartmanns schafft] Botschaften gegen die Entzauberung der Welt
- [Hartmanns] Schrift ist nicht entzifferbar
[Hartmanns Notationen sind] lesbar als ästhetischer Reiz, als Poesie
Quelle: Website "Nachlass Werner Hartmann"

Im Erscheinen der Zeichen schauen wir die Verborgenheit des Nichts
Hartmann war ein Zeichenerzähler
Hartmanns Zeichen erzählen Geschichten. Geschichten, die keinen Erkenntnisgewinn vermitteln
Quelle: Heini Ringger: 1001 Geschichten eines Zeichenerzählers. In: unimagazin der Universität, Zürich, 1997

Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Die Villa ist eher ein Häuschen und die Stipendiatenstätte des Kunstvereins Hannover: wer den Preis des Kunstvereins gewinnt, darf dort 2 Jahre wohnen arbeiten und bezieht zusätzlich noch eine monatliche Unterstützung
17.09.2020
Aufräumen I

Werbekarte für die Manifesta in Zürch 2017 - bezeichnet von Hannes Kater
Barfuß vor der Eingangstür der Villa Minimo* in Hannover... noch analog fotografiert
Bei der Bildfindung für diese alte, mir sehr liebe, Einladungskarte, die 2003 für meine Ausstellung "Mittelbau" im Gifhorner Kunstverein [Link], spielte auch meine Position zum Thema Sockel, genauer: der Sockelung von Zeichnungen, eine gewisse Rolle, nur versuchte ich es etwas spielerischer als damals in den 90er Jahren anzugehen...

Siehe auch Eintrag von gestern...



Hannes Kater – Detail einer Tageszeichnung
Die sehen so aus, als seien sie mal Sockel für Skulpturen gewesen...

Die ursprüngliche Heerstraßenbrücke wurde 1910 gebaut, musste aber, auch aufgrund des stark gestiegenen Verkehrs, ab 1994 neu gebaut werden.
Der 1996 dem Verkehr übergebene Brückenneubau zitiert, laut berlin.de, mit "Granitpylonen" Gestaltungs-elemente des Altbaus... wobei Pylonen in der Architektur eigentlich tragende Teile sind... und nicht Sockel.

**  Aus einem Pressetext von Dominikus Müller zu der Ausstellung "Rochade" mit Lisa Herfeldt (Skulptur) und Kristin Loschert (Fotografie) in der Galerie Soy Capitan in Berlin im November / Dezember 2019
16.09.2020
Lieblingspfeile

LP 1785 - Lieblingspfeil Nr. 1785 von Hannes Kater
LP 1785 - Lieblingspfeil Nr. 1785 von Hannes Kater
Die Heerstraßenbrücke in Berlin Wilmersdorf
Lieblingspfeil Nr. 1785
Pfeil-"T"-Unschärfe

Das es sich hier mit großer Wahrscheinlichkeit um ein "T" handelt, dass seine Quebalkenende etwas hängen lässt – und
nicht um einen Pfeil – wird nur durch den Kontext deutlich: auch andere Brückengeländer-Dingens* sind mit jeweils einen Buchstaben besprüht worden.



Sockel
Ein Sockel ist kein Rahmen. Und eine Fotografie ist ebenso viel oder wenig Bild wie ein Sessel Stuhl. Ein Sockel ist, anders als ein Rahmen, eine Verankerung und keine Vereinzelung, Fundament, nicht Fenster. Eine Fotografie ist der Sockel unter den Bildern, und ein Sessel ein Stuhl, der allein steht. Und auf den man sich verlässt, wenn man sich in ihn fallen lässt.**

#

Vgl. auch mit:
Die Gruppe, der Sockel und andere Mißverständnisse – ein Text, den Armin Chodzinski und ich als Vorwort für die Publikation Das innere Leuchten checken geschrieben hatten.



Aus einem Gespräch von Bjørn Melhus und Hannes Kater über ihre Ausstellung im Kunstverein Hannover 2001:
H: Hast du das Gefühl, du hast dir da eine Basis geschaffen jetzt mit dieser Arbeit in Hannover, wo es sozusagen weitergeht, oder ist das eher ein Klotz und ein Fragezeichen?
B: Ja, es ist ein Klotz, aber der Klotz [am Bein] ist ein Sockel. (Lachen)





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Pfeil runter 15. August 2020
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