Projekt Nr. 62
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"Der Verrat der Bilder" und die Folgen
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This is not a pipe_#60 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
060 Übersetzung: "Wir müssen vage Ideen mit klaren Bildern konfrontieren."
Ein von mir falsch zugewiesenes Zitat (in der Tradition von Marc-Uwe Kling bzw. dem Känguru), das Originalzitat stand an der Wand eines Sets des Films La Chinoise von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1967.

Es ist unklar, ob das Zitat von Mao Zedong ist, oder aber von Godard selbst stammt... was sicher ist: der Satz wurde für den Film bei Godard so an die Wand geschrieben, weil der Film größtenteils in seiner Pariser Wohnung gedreht wurde.

Die Typografie, bzw. die Schreibweise, des Zitats ist übernommen von einem Standfoto aus dem Film von Godard, nur den Zeilenumbruch habe ich geändert.
This is not a pipe_#61 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
061 Falsch zugewiesenes Zitat (in der Tradition von Marc-Uwe Kling bzw. dem Känguru), das Originalzitat ist aus einem Interview mit Jean-Luc Godard (mit der französischen Zeitung Liberation).

Das Zitat von Godard, was hier unter der Pfeife steht, findet man auf Deutsch meist in dieser Übersetzung:
"Kunst ist nicht die Reflexion der Wirklichkeit, sondern die Wirklichkeit der Reflexion."

Wenn man das automatisch wieder ins Französische übersetzen lässt, wird einem für "Wirklichkeit" entweder "La réalité" (die Realität) oder "le réel" (das Reale) angeboten, deshalb habe ich mich in meiner Fassung für "das Reale" und nicht für "die Wirklichkeit" entschieden.

Das auch deshalb, weil Godard natürlich Lacan gelesen hat – und "das Reale" bei Lacan eine wichtige Kategorie war.

Das längste Variante des Zitats findet sich als Dialog in Godards Film Die Chinesin, wo auch der Lacan-Begriff Das Imaginäre zum Einsatz kommt:
- "Kunst bildet das Sichtbare nicht ab, sondern macht es sichtbar."
- "Ja,aber trotzdem ist diese ästhetische Wirkung imaginär."
- "Ja, aber dieses Imaginäre der ästhetischen Wirkung ist nicht die Widerspiegelung des Realen, sondern das Reale dieser Reflexion."
Mehr dazu hier
This is not a pipe_#62.1 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
062.1 Detail (gespiegelt und gedreht und nachbearbeitet) aus:
Béla Kádár: Still Life with Chessboard and Pipe, ca. 1920



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This is not a pipe_#62.2 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
062.2 Béla Kádár: Still Life with Chessboard and Pipe, ca. 1920
Berlinische Galerie


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This is not a pipe_#63 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
063 Der Text im Bild – ein falsch zugewiesenes Zitat – ist eine umgestellte Aussage von Jacques Rancière zu dem Godard-Film La Chinoise von 1967:
[Der Film zielt auf] "ein Regime, in dem Wörter Einsichten gewähren und Bilder fürs Zuhören plädieren.

Rancière fasst dieses Konzept mit dem Begriff Dissoziation, die statt der Einheit der Repräsentation von Wort und Bild die Fremdartigkeit und zuweilen auch Albernheit der vergleichenden Konfrontation adressiert."

Hier noch, als Bonus, ein weiteres Zitat von Rancière, das leider zu lang ist, um es unter eine Pfeife zu platzieren:
"Wenn es nur noch Bilder gibt, gibt es kein Anderes des Bildes mehr. Und wenn es das Andere des Bildes nicht mehr gibt, verliert der Begriff des Bildes selber seinen Inhalt, gibt es also kein Bild mehr."

Nach: "Image et parole" – Szenarien der Wort- und Bildkritik in den Filmen Jean-Luc Godards seit 1968. Thomas Helbig in: "image/con/text/", Berlin 2020
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This is not a pipe_#64 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
064 Godard bezog sich 2018 in seinem letzten Film Le livre dìmage auf einen, von Edward Said* schon 1978 in seinem Buch Der Orientalismus formulierten, Ansatz, der die spezifische Sichtweise "des Westens" auf "den Orient" in den letzten 250 Jahren, als eine falsche und einseitige Repräsentation vorstellte, die den so repräsentierten Menschen (und ihrer Kultur) Gewalt antue – auch weil die falsche Repräsentation zu einer rücksichtslosen Ignoranz, und somit zu realer Gewalt, führe.

Allerdings verallgemeinerte Godard den Ansatz von Said auf jegliche Repräsentation – und Benennung... schon die Griechen nannten die Nicht-Griechen, also die nicht des Griechisch mächtigen, Barbaren, wörtlich Stammler, Stotterer.




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This is not a pipe_#65 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
065 Falsch zugewiesenes Zitat:

Variante einer (Text-) Arbeit von Marcel Broodthaers: "ceci n'est pas un magritte" (1967)



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This is not a pipe_#66 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
066 Kollage aus einem 3D-Mesh-Pfeifenkopf und einem gemalten Pfeifenstiel + Text


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This is not a pipe_#67 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
067 Eigentlich naheliegend, dass ich eine Pfeil-Variante von "Das ist keine Pfeife" baue...



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This is not a pipe_#58 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
068 Ich bekam den Hinweis, doch mal die französische Version des Wikipedia-Eintrags zu dem Verrat der Bilder durchzusehen – und wurde fündig:
Angesichts des ausgeprägten Interesses von René Magritte und seinem Komplizen Paul Nougé an Pornografie* ist die Hypothese eines Hoaxes nicht völlig auszuschließen. Zumal das Wort pipe im Sinne von Blowjob [Fellatio] Anfang der 1900er Jahre auftauchte und dieser Slangausdruck erstmals im Wörterbuch von A.L. Dussort (Des preuves d'une existence, 1927, in T.L.F) aufgenommen wurde, also zwei Jahre vor der Entstehung des Gemäldes von Magritte.

Warum aber wurde pipe Anfang des 20. Jahrhunderts der neue französische Slangausdruck für Blowjob?

"Zu Beginn des 20. Jahrhunderts drehten sich Arbeiter ihre Zigaretten selbst, da industriell hergestellte Zigaretten der feinen Gesellschaft vorbehalten waren. Sie sagten, dass sie sich "eine drehten" oder "sich eine Pfeife machten".

This is not a pipe_#69.1 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
069.1 Die Zigarette wurde im Slang als Synonym für "Pfeife" verwendet, weil die Menge an Tabak, die für eine Zigarette benötigt wird, der Menge entspricht, die man zum Stopfen einer Pfeife benötigt. In Analogie dazu verglichen Prostituierte die Bewegungen beim Oralsex mit denen, die Raucher mit ihren Fingern und dann mit ihrer Zunge entlang der Zigarette machen, bevor sie eine fertige "Pfeife" gebaut hatten.**


Zitat, sinngemäß nach Goffin:
"So könnte der Provokateur Magritte mit Hilfe seines Freundes Paul Nougé, dem Meister der "Subversion der Bilder", hinter einem der größten Streiche der Kunstgeschichte stehen: Ceci n'est pas une pipe war dazu gedacht, die verhassten Bourgeois zu verarschen.

Quelle: Joël Goffin, "Magritte-Nougé", Que faire? n°4 (éd. Samsa - isbn: 978-2-87593-410-9), Juni 2022
Als PDF online hier
This is not a pipe_#69.2 - eine kommentierende Untersuchung von Hannes Kater
069.2 1946 scheint Magritte diese Hypothese selbst bestätigt zu haben, als er ein Werk mit dem Titel La pipe-sexe präsentierte [siehe meine Version mit Pfeifenkopf links], eigentlich ein Beleg für die sexuelle Deutung der Pipe: "Voyez comme je vous ai bien eus!" ["Seht, wie ich euch reingelegt habe!“]

Das männliche Geschlechtsteil in Form einer Pfeife ist darin sehr gut zu erkennen. In diese Zeit fallen zudem die letzten intellektuellen Kollaborationen mit Nougé. [Danach haben sich Magritte und Nougé endgültig zerstritten].**


Auch eine Möglichkeit: Magritte und Nougé haben eine, ihnen selbst im Laufe der Zeit aufgefallene, mögliche Lesart der Pipe 1946 endlich auch als Bild nachgereicht – denn eine eindeutige Deutung des Ausgangs-Bildes kann nicht im Interesse von Magritte gewesen sein.
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Pfeifen 054 - 059

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